Franz Xaver Barth

Franz Xaver Barth, der als bedeutender Historienmaler des vorigen Jahrhunderts seinem Namen einen guten Klang zu verschaffen wußte, verdient es, daß wir in seiner Vaterstadt uns näher mit seinem Schaffen vertraut machen. Franz Xaver Barth ist am 12. Februar 1821 in Velden geboren als Sohn des Nikolaus Barth, Pillerwirt zu Velden, und dessen Ehefrau Therese Seewald, Wirtstochter von Mauerell. Nikolaus Barth war der Sohn des Staudingerbräu Peter Barth, und hat laut Brief vom 22. Februar 1820 das damalige Pillerwirtshaus gekauft und es laut Brief vom 20. April 1822 gegen das halbe Wastlbinderhaus Nr. 20 u. 20 1/2, neu 106 u. 107, jetzt Marktplatz 54 vertauscht. Die Geburt des Franz Xaver Barth fällt also in die Jahre, während der seine Eltern das Pillerwirtshaus innehatten. Das Pillerwirtshaus trug früher die Hs. Nr. 58. Daneben stand das sogenannte Schreinerwolferlhaus mit Hs. Nr. 59 und das Schererhaus Hs. Nr. 60. Im Jahre 1835 brannten diese drei Häuser ab und an deren Stelle erbaute, der neuen Baulinie entsprechend, der Seifensieder Franz Ecker ein großes Haus. Es bekam die neue Haus Nr 4, jetzt Marktplatz 31. Hier stand also das Geburtshaus des Meisters Franz Xaver Barth.

Franz Xaver Barth kam frühzeitig auf die Akademie nach München, wo er noch unter dem berühmten deutschen Historienmaler neuerer Zeit, Peter von Cornelius, immatrikuliert und dann der Componierschulde des bekannten Malers Julius Schnorr von Carolsfeld zugeteilt wurde. Diesem seinen Lehrer assistierte Barth bei der Ausführung des letzten Nibelungensaales in der kgl. Residenz. Ebenso arbeitete Barth mit Christoph Friedrich Nilson, dem Historienmaler Michael Echtler, dem Historienmaler Augustin Palme und Süßmeier bei der Ausführung von Kaulbachs Entwürfen an den durch klimatische Einflüsse schon wieder verschwundenen Fresken der neuen Pinakothek, Dann erhielt Barth bei der unter Dingelstedts Intendantur bewerkstelligten Restauration des Hoftheaters die Aufgabe, die Deckenfelder des Zuschauerraumes mit den Figuren der neun Musen zu füllen. Hierauf wurde ihm mit dem bekannten Münchner Maler Hiltensperger ein ganzer Cyklus von fünfzehn Bildern für das Museum in Petersburg übertragen. Nach eigener Komposition lieferte Barth vier große Fresken in die historische Galerie des Münchner Nationamuseums mit kriegerischen und friedlichen Szenen aus dem Leben der bayerischen Fürsten (Friedrich der Siegesreiche schlägt 1462 bei Seckenheim das Reichsheer; Friedrich nimmt teil an den religiösen Übungen der Barfüßlermönche zu Heidelberg; Philipp der Aufrichtige als Förderer des Humanismus, umgeben von Johann von Dalberg, Rudolf Agrikola, Konrad Celtes und Reuchlin; Kampf und Sieg der Pfälzer von Landhut, angeführt von Elisabeth, der Gemahlin des Pfalzgrafen Rupert, Erbtochter Georg des Reichen 1504). Bald darauf nahm Moritz von Schwind den Maler Franz Xaver Barth mit nach Wien als Gehilfen an den Temperabildern des dortigen Opernhauses. Indessen bewährte sich Barth frühzeitig mit Ölbildern, dazu gehörten außer vielen Kirchen- und Altargemälden Hero und Leander, ein Friedensengel, der Entwurf zu einer Fürstengruft und das leider nicht ausgeführte Projekt eines Totentanzes für die Friedhofskapelle zu Velden (Letzteres befindet sich jetzt im Kupferstichkabinett zu München). In einem für Ludwig II. Restaurierten Saal der Landshuter Trausnitz malte Barth eine die Künste schützende Bavaria (1961 verbrannt). Sieben Fresken mit den Werken der Barmherzigkeit malte Barth an der Hl. Geistkirche zu Landshut. Des weiteren wurde Franz Xaver Barth neben anderen Malern auch die Restaurierung der Fassade des ehemaligen Landschafts- bzw. Oberpostamtsgebäudes in Landshut übertragen, die leider durch Witterungseinflüsse wieder fast vollständig zerstört wurde und jetzt neuerdings wieder hergestellt wird. Über diese Arbeit schrieb M. J. Frings in einem Aufsatz: “Da die Hauptfiguren stark beschädigt und von mehreren nur kleine Teile sichtbar waren, die Nebenfiguren, Arabesken und Ornamente aber größtenteils ganz unkenntlich geworden, so war es klar, daß nur eine dieser Art Malerei geübte und erprobte Künstlerhand imstande sein werde, die schadhaften und ganz unkenntlichen Stellen den noch gut erhaltenen in Farbe und Form konform zu machen, so daß die Einheit des ganzen nicht zerstört werde. Namentlich bot die untere Reihe große technische Schwierigkeiten dar, da eine fast völlige Erneuerung sämtlicher Figuren und Zeichnungen gefordert wurde. Die bekannten Historienmaler Barth, ein Niederbayer, aus Velden gebürtig, Valentin und später auch Dunkelmann wurden für die Ausführung dieser schwierigen Aufgabe gewonnen und haben dieselbe im Sommer 1861 vollendet. Sie haben die Erwartungen, die man von ihnen hatte, vollkommen gerechtfertigt und alle Schwierigkeiten zu überwinden verstanden und so sich ein unsterbliches Andenken in Landshut gesichert.”

Sein großes Kompositionstalent bewährte Barth mit vielen originellen für die Glasmalereianstalten von Mayer und Zettler gefertigten Kartons und bewies damit seine seltene Fertigkeit, sich in verschiedenen Stilarten zu bewegen. Darunter befinden sich auch Entwürfe zu Wandbildern in der Einsteighalle eines Bahnhofes. Franz Xaver Barth hat zwar den größten Teil seiner Schaffenszeit in München verbracht, doch kam er immer wieder gerne in seine Vaterstadt Velden. Er starb am 9. Februar 1894 in München.

 Quelle: Beitrag von H. Weindl in: 1200-Jahre Velden, Festschrift aus dem Jahr 1973, S. 127-129