Die königlich bayerische Post in Velden

Ein Blick auf die Postkurskarte aus dem Jahre 1831 zeigt, wie sich vor dieser Zeit um das obere Vilstal und das umliegende Hügelland ein Ring von Verbindungen durch reitende und fahrende Posten gebildet hatte, der die Orte Landshut, Vilsbiburg, Neumarkt, Ampfing, Haag, Hohenlinden, Erding und Moosburg miteinander verband. Die im Zentrum dieses Ringes gelegenen Märkte Velden und Taufkirchen hingegen mußten verhältnismäßig lang auf die Annehmlichkeiten verzichten, die regelmäßige, Personen und Sachen befördernde Posten mit sich bringen. Der Grund hierfür mag wohl darin liegen, daß aus Münchner Sicht das Hügelland, das das Erdinger Moos nach Osten abschließt, ziemlich jäh, gleichsam wie ein Wall ansteigt und daß auf der anderen Seite das Tal der großen Vils nicht selten überschwemmt war. Die Orte waren untereinander mit sogenannten Vicinalwegen verbunden. Die Bezeichnung Straße konnten sie nicht führen, denn sie waren selbst nach damaligen Vorstellungen “schmal und in sehr schlechtem Zustand". Sie entsprachen den Anforderungen der Landwirtschaft sowie reitender und zu Fuß gehender Boten, die bei schlechtem Wetter und grundlosen Wegen zu Hause blieben oder Hindernissen ausweichen konnten. Für eine fahrende Post, die nach einem festgelegten Fahrplan zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter, Tag und Nacht verkehren mußte, waren diese Wege unbrauchbar.

In dieser Situation griffen die Landgerichte Erding und Vilsbiburg, die Grundbesitzer im Bierbach- und Vilstal sowie die anliegenden Gemeinden zur Selbsthilfe. Auf ihre Kosten und mit einem heute kaum noch vorstellbarem Aufwand an Kräften, die Menschen und Zugtieren abgefordert wurden, bauten sie die Landstraße von Erding über den Grünbacher Berg hinauf und drüben an den Hängen des Bierbachtales hinab nach Taufkirchen, von dort auf den Südhängen des Vilstales über Jettenstetten nach Velden, von hier auf der rechtcn Flußseite über den Bicdcnbacher Berg nach Rupprechtsberg, Wolferding und Vilsbiburg. Im Frühjahr 1843 beschloß das königliche Haus, die neuerbaute Erdinger Straße zur Poststraße zu erheben.  Der tägliche Eilwagenkurs von München nach Passau, der bis dahin über Landshut geführt hatte, sollte nunmehr über Erding, Taufkirchen, Velden und Vilsbiburg laufen. ln Velden wurden ein Poststall und eine Postexpedition errichtet. Man hoffte, daß der neue Postkurs “nicht nur dem Publikum, sondern auch dem Vortheil des königlichen Aerariums" dienen werde.

Als Poststallhalter und Postexpeditor schlug das Landgericht in Vilsbiburg den Allrambräu Xaver Kurzmüller vor. Er bewirtschaftete an der jetzigen Hauptstraße Nr. 6, Ecke Bahnhofstraße, ein respektables Anwesen mit einem Schätzwcrt von 77.980 Gulden und schien auch dem Oberpostmeister aus München „in jeder Hinsicht vollkommen entsprechend". Nachdem er vor dem Landgericht dem „Allerdurchlauchtigsten und Großmächtigsten König Ludwig von Bayern" geschworen hatte, “treu, hold und gehorsam zu seyn", wurde er zum königlichen bayerischen Postexpeditor und Poststallhalter ernannt. In seinem Poststall standen, wie der Vertrag es vorsah, 8 Pferde, 2 Postchaisen, wovon mindestens eine gedeckt sein mußte, und ein Felleisenkarren.

Am 1. Juli 1843 fuhr die erste Postkutsche aus München kommend vor dem Posthaus vor. Sie war mit vier Pferden bespannt. Hoch auf dem Bock saß der Taufkirchncr Postillion. Er trug einen schwarzen gelackten Zylinder mit weißblaucm Federbusch, eine blaue Jacke, eine lange weiße Hirschlederhose und schwarze Kniestiefel. Als besonderes Zeichen seines Amtes trug er an einer weißblau geflochtenen Schnur das vierfach gewundene Posthorn. Die Postkutsche, ein sogenanmer durchgehender Eilwagen, hatte nur 15 Minuten Aufenthalt. Während dieser Zeit wurden die Pferde und der Postillion gewechselt. Die Münchner Passagiere, die seit sechseinhalb Stunden unterwegs waren, konnten sich die Füße vertreten und sich im Wirtshaus mit einem Krug Allrambräu erfrischen. Unterdessen war auch der Postschreiber Michael Dieringcr emsig beschäftigt. Er öffnete den Verschlag an der Postkutsche und holte die Briefe, Zeitungen und Pakete heraus. die er zu expedieren hatte. Was er vom Publikum zur Beförderung in Richtung Vilsbiburg-Passau erhalten hatte, legte er hinein und schloß den Kasten wieder sorgfältig zu. Die Knechte des Allrambräu spannten vier ausgeruhte Pferde vor den Wagen, die Passagiere stiegen wieder ein, der Postillion blies das Abfahrtsignal und dann setzte sich das Gefährt in Richtung Vilsbiburg in Bewegung. Die 15 km dorthin mußten in eineinhalb Stunden zurückgelegt werden. Man kann sich vorstellen, daß während des Aufenthalts der Postkutsche die Kinder ihr Spiel und auch die Erwachsenen ihre Arbeit unterbrachen, um das gcschäftige Treiben vor dem Posthaus zu verfolgen. Denn es war ohne Zweifel ein eindrucksvolles Schauspiel, wie die königliche Post für die Verbindung mit der fremden und interessanten Welt sorgte.

Nachdem der Eilwagen abgefahren war, registrierte  Michael  Dieringcr in seinem  Expeditionszimmer die angekommenen Briefe, Zeitungen und Pakete und ordnete sie für die Boten, die sich vom Markt Buchbach, der Hofmark Neufraunhofcn, den Pfarrdörfern Baierbach,  Rupprcchtsberg und Vilslern sowie dem Dorf Eberspoint eingefundcn hatten, um die Sendungen für einen angemessenen  Botenlohn an die Empfänger zuzustellen.

Die Amtszeit des Xaver Kurzmüller dauerte nicht lange. Er verstarb am 18. September 1844 an der zu dieser Zeit “herrschenden  Krankheit".  Titel und Würde einer königlich bayerischen Postexpeditorin und Poststallhalterin gingen auf seine Witwe Theresia über. Auch unter der weiblichen Leitung war „das Posthaus in allen seinen Teilen schön und großartig und zeugte überall von Wohlhabenheit. Die Expedition, in der ihr Angestellter Michael Dieringer waltete, war in einem getrennten Hause vis a vis dem Postgebäude, gut verwahrt und geräumig. Die Pferde sowie die Chaisen waren in vorzüglichem Stande, die Postillione hatten reine Montur, waren des Blasens wohl kundig und erfreuten sich eines guten Leumunds". Fünfzehn Jahre lang lenkte Frau Kurzmüller die Geschicke der Brauerei, des Gasthauses und der Landwirtschaft; in diesen Jahren erlebte auch der Poststall seine Glanzzeit.

Am 3. November 1858 wurde die Eisenbahnlinie München-Landshut eröffnet. Jetzt war eine direkte Postverbindung nach München auf der Straße über Erding nicht mehr notwendig. Wer nach München reisen wollte, konnte sich des Eilwagens bedienen, der von Altötting über Vilsbiburg zur Bahnstation Landshut verkehrte. Den Anschluß an den Eilwagenkurs besorgte eine täglich einmalige Kariolfahrt mit einer einspannigen, zwei- bis dreisitzigen Kutsche nach Vilsbiburg. Taufkirchen wurde mit einer Kariolfahrt über Erding in Freising an die Eisenbahn angebunden. Diese Änderung führte zu Protesten. Wer von Taufkirchen nach Fraunhofen oder Velden reisen will, muß diese Reise zu Fuß antreten, denn Fahrgelegenheit gibt es dahin keine mehr", empörte sich der über die Verschlechterung der Kursverhältnisse aufgebrachte Freiherr von Moreau zu Taufkirchen. Graf von Seinsheim auf Schloß Grünbach bezeichnete die neu eingetretenen Verhältntsse als Urzustand: “Wie störend in der jetzigen Zeit, wo Brief- und Zeitungsverkehr kaum mehr zu den Luxusartikeln gezählt werden kann." Diese energischen, an König Max persönlich gerichteten Vorstellungen hatten Erfolg; die täglich einmaligen Kariolfahrten zwischen Vilsbiburg und Velden wurden bis Taufkirchen ausgedehnt, so daß man sich bei einer Fahrt nach München den Umweg über Landshut ersparen konnte. Der für den Fernverkehr bestimmte Eilwagen wurde allerdings nicht mehr eingeführt und da die Kariolfahrten im Pendelbetrieb vom Vilsbiburger Poststall besorgt wurden, war der Poststall in Velden ohne Aufgabe.

Um die Jahreswende 1859/60 setzte sich Frau Kurzmüller aufs Altenteil und bat darum, sie von ihren Pflichten als Postexpeditorin zu entbinden. Aber nicht nur ihr Sohn Michael, sondern auch andere gut situierte Bürger wünschten, daß die Post in ihr Haus einziehe. Die Wahl fiel auf den Franzbräu Joseph Eder. Damit rückte die Post aus der Hauptstraße zum Marktplatz Nr. 48 auf das Grundstück vor, auf dem die Raiffeisenbank 1971 ihr repräsentatives Gebäude errichtet hat. Die Amtszeit des Joseph Eder dauerte nur wenige Jahre. Er geriet in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, aus denen er sich nicht mehr befreien konnte, Eine Forderung des Oberpostamts, die auf 1450 Gulden und 5 1/2 Kreuzer genau berechnet wurde, konnte er nicht mehr begleichen. Er mußte deshalb das Amt des Postexpeditors am 1. März 1867 an den Inhaber des Scheckhofcrbräus, Herrn Georg Reithmeier, übergeben. Hier am Marktplatz Nr. 34 befand sich das „helle und freundliche Expeditionslokal in einem Nebengebäude des Anwesens in der Mitte des Marktes am schönsten, frequentesten Platze". Michael Dieringer, der jetzt schon seinem dritten Herrn als Postschreiber diente, übergab die Geschäfte am 20. November 1869 an den Reithmeier'schen Angestellten Joseph Grußeder.

Am 1. Mai 1871 fuhr der erste Zug auf der Eisenbahnlinie München-Altötting. Unmittelbar darauf schuf das Oberpostamt eine tägliche Verbindung zu dieser Linie mit einer Kariolpost über Taufkirchen nach Dorfen. Der Betrieb dieser Kariolpost wurde Herrn Reithmeier übertragen und damit der Poststall in Velden in kleinerem Ausmaß wieder eröffnet. Fahrgäste, Postschreiber und Postillion mußten schon früh aus den Federn, denn die Kariole ging um 2 Uhr nachts ab. Um 3.30 Uhr war sie in Taufkirchen und um 5.30 Uhr kam sie in Dorfen an, um den Anschluß an den Frühzug nach München zu erreichen. Die Fahrt kostete nach Taufkirchen 27 und nach Dorfen 54 Kreuzer. Die Personenreisegebühren gingen in den Beutel des Poststallhalters, weil ihm die Postverwaltung nur den Transport der Briefe und Pakete vergütete.

Der unentwegte Ausbau des Eisenbahnnetzes führte noch nicht zwei Jahre später (16. November 1872) zur Eröffnung der Eisenbahnlinie Markt Schwaben-Erding. Das Oberpostamt Landshut zog daraus die Konsequenzen und verlegte den Anschluß der Kariolpost von Dorfen nach Erding. Damit konnte die Fahrzeit zur Landeshauptstadt erheblich verkürzt werden. Die zwei- bis dreisitzige Kariole reichte bald nicht mehr aus. Es wurde deshalb für 1200 Mark ein sogenannter sechssitziger Omnibus beschafft, der dank seiner stabilen Bauart eine sichere Fahrt gewährleistete, wegen seiner harten Federung und langsameren Fahrt aber von empfindlichen und eiligen Passagieren nicht sehr geschätzt wurde.

Mit wesentlich weniger Aufwand an Zeit und Kosten, der für den Bau der Eisenbahnlinien notwendig war, konnte unser Land zu dieser Zeit mit einem Netz von Drahtleitungen für den elektrischen Telegraphen überspannt werden. Am 31. Juli 1873 beantragte Freiherr von Soden zu Neufraunhofen, in Velden eine Telegraphenstation zu errichten. Am 15. November 1875 konnte dem Antrag durch Inbetriebnahme eines Morseapparates entsprochen werden.

Eine direkte Postverbindung Velden-Landshut kam wegen des “besonders beschwerlichen" Weges über Neufraunhofen, Baierbach und Altfraunhofcn erst im Jahre 1877 mit einem Postomnibus zustande. Es setzte sich allmählich die Meinung durch, daß der Münchner Verkehr nicht über Taufkirchen laufen müßte, sondern in Schwindegg an die München-Altöttinger Eisenbahnlinie angebunden werden könnte. Ab 15. September 1878 lief deshalb der Postomnibus nur noch zwischen Erding und Taufkirchen; Velden hingegen bekam eine tägliche Kariolpostverbindung über Buchbach nach Schwindegg.

Fünf Jahre später, am 4. Oktober 1883, rollte der erste Eisenbahnzug von Landshut über Vilsbiburg nach Neumarkt. Damit rückte die Eisenbahn in erreichbare Nähe. Der Kariolwagcn des Vilsbiburger Posthalters reichte nicht mehr aus, um die Veldener Fahrgäste zu befördern. Es wurde deshalb auch hier ein sechssitziger Postomnibus eingesetzt. Die Fahrt nach Vilsbiburg dauerte 2 Stunden und kostete eine Mark. Diese Verbindung zur Eisenbahn Vilsbiburg-Landshut wurde so gerne benutzt, daß sich die direkte Omnibuslinie Velden-Landshut über Neufraunhofen nicht mehr lohnte. Sie wurde am 1. Juni 1886 in eine einspännige Kariolpost umgewandelt.

Am 8. September 1886 verstarb Georg Reithmeier, der die beiden Ämter des Postexpeditors und des Poststallhalters auf sich vereinigt hatte, Sein Tod gab die Gelegenheit, die Geschäfte der Expedition, die einen erheblichen Umfang angenommen hatten, personell vom Poststall zu trennen. Die Witwe Anna Reithmeier wurde königliche Poststallhalterin mit 6 Pferden und 2 Postillionen. Sie hatte die Omnibuslinie nach Schwindegg und die Kariolfahrt nach Landshut zu bedienen. Joseph Grußeder, der sich als privat angestellter Postschreiber bewährt hatte, wurde unmittelbar in königlich bayerische Dienste übernommen und zum Postexpeditor ernannt. Er bekam eine Jahresvergütung von 1344 Mark und zwar 1236 Mark für den Post- und 108 Mark für den Telegraphendienst. Das Expeditionslokal überließ ihm Frau Reithmeier kostenlos.

Da die nach Landshut Reisenden fast ausnahmslos den Postomnibus nach Vilsbiburg und von dort die Eisenbahn benutzten, erwies sich die direkte Postverbindung Velden-Landshut als entbehrlich, Sie wurde am 30. April 1887 nach einer zehnjährigen Laufzeit eingestellt. Für das Publikum in Neufraunhofen, Baierbach und Altfraunhofen wurde eine tägliche Personenpostverbindung mit einer viersitzigen Chaise von Neufraunhofen nach Landshut geschaffen und auf dem Anwesen des Herrn Rampl in Neufraunhofen ein Poststall mit Expedition errichtet. Briefe und Zeitungen, die von Velden nach Neufraunhofen zu bringen waren, wurden in Niederbaierbach von einem Veldencr Postboten an den Neufraunhofener Postboten übergeben.

Das Amt der königlichen Poststallhalterin versah Frau Reithmeier fünf Jahre. Sie starb am 7. Dezember 1891 und beerbte ihre Tochter Ursula, die mit dem Bierbrauer Barthlmä Neumaier verheiratet war. Dieser wurde zum königlichen Poststallhalter ernannt. Er ließ seinen Postillion die täglich einmalige Postomnibuslinie nach Schwindegg fahren. Seine Einnahmen an Personengeldern lagen in den Jahren 1893 bis 1898 jährlich zwischen 1245 und 1721 Mark. Daneben erhielt er von der Postverwaltung für die Beförderung der Briefe, Zeitungen und Pakete eine jährliche Vergütung von 2400 Mark. Herr Neumaier war ein wohlhabender Bürger; sein Anwesen wurde auf rund 100.000 Mark geschätzt.

Am 24. Dezember 1898 bekam Velden seinen direkten Anschluß an die Eisenbahn. Damit war das Schicksal der Postomnibuslinie nach Schwindegg besiegelt. Sie bestand aber immerhin noch bis zum 31. Dezember 1901. Den Einkommensverlust konnte der Poststallhalter zum Teil dadurch ausgleichen, daß er zu jedem der sechs eintreffenden Züge zum Bahnhof fuhr, um Fahrgäste und Postsendungen zum Postlokal am Marktplatz zu bring en.

Barthlmä Neumaier war 14 Jahre lang Poststallhalter. Er starb am 19. August 1906. Die Witwe Ursula verkaufte das Anwesen im folgenden Jahr an die ledige, 24 Jahre alte Agnes Mayr, die das Amt der Poststallhalterin übernahm und 2 Jahre lang ausübte. Sie verwendete für die Verbindungsfahrten zum Bahnhof nicht mehr die Postkutsche, sondern einen Packwagen, denn der Weg war nur kurz und für die Reisenden lohnte es sich nicht, ein- und auszusteigen und Fahrgeld zu bezahlen. Fräulein Agnes Mayr vertauschte Brauerei, Gastwirtschaft und Okonomie mit einem Anwesen in Landshut. Als neuer Poststallhalter zog am 16. Oktober 1909 der Metzgermeister Alois Dietlmeier in den Scheckhoferbräu ein.

Nachdem um die Jahrhundertwende der Ausbau des Eisenbahnnetzes in unserer Umgebung abgeschlossen war, fristete die Pferdepost mit der Beförderung von Postsachen nur noch ein bescheidenes Dasein. Für den Nahverkehr, der nach wie vor auf die Straße angewiesen war, bahnte sich eine neue Sensation an: der mit Kraftstoff betriebene Motorwagen. Die Straße Velden-Landshut, die wegen ihrer Hügel und Täler lange Zeit gemieden wurde, lenkte die Blicke auf sich. Am 1. Juli 1912 wurde auf ihr zur Personen- und Postsachenbeförderung ein Motorpostwagen eingesetzt. Der Wagen fuhr im Sommer dreimal und im Winter zweimal nach Landshut und zurück. Er brauchte für die 25,6 km lange Strecke im Sommer 1Stunde 40 Minuten und im Winter 2 Stunden. Als Fahrgebühr wurden 1,30 Mark erhoben. Das Fahrzeug fuhr nicht viel schneller als 60 Jahre früher der Pferde-Eilpostwagen; trotzdem warnte ein Schild am Postlokal: Vorsicht bei Annäherung des Motorpostwagens! Am 1. Oktober desselben Jahres wurde ein zweiter Motorpostwagen eingesetzt, der die Pferdepost nach Vilsbiburg ablöste. Er fuhr in der gleichen Frequenz wie der Landshuter Wagen. Die Fahrzeit betrug l Stunde und 10 Minuten, die Fahrgebühr betrug 80 Pfennige.

Der Poststallhalter Alois Dietlmeier kündigte seinen Vertrag mit der königlich bayerischen Post verwaltung zum 31. August 1912. Der Poststall zog aus seinem Haus, in dem er 35 Jahre lang in guten Händen gelegen hatte, einige Häuser den Marktplatz hinunter zum Burghaberbräu, Marktplatz Nr. 26. Poststallhalter wurde der Inhaber Johann Ernst. Aber nur für kurze Zeit, denn schon ein Jahr später ging das Anwesen samt Poststall über an Herrn Balthasar Stechl. Es kam der erste Weltkrieg, in dem die Motorpostlinie Velden-Vilsbibur auf täglich eine Pendelfahrt beschränkt und die Linie Velden­ Landshut ganz eingestellt werden mußte. Für die Postsachenbeförderung nach Neufraunhofcn sorgte ein einspanniger Packwagen des Herrn Stechl.

Nach dem Weltkrieg wurde der Burghaberbräu an den Diplomingenieur Hans Hagen aus Wasserburg verkauft, der den Poststall und das Gasthaus nicht selbst betreiben wollte. Er verpachtete an Herrn Jakob Forsteneicher, der im Februar und im März 1919 das Amt des Poststallhalters versah. Herr Forsteneicher kaufte sich das Metzgeranwescn am Marktplatz Nr. 22. ln diesem Anwesen war kein Platz für das Postpferd. Er gab deshalb den Postdienst auf.

Gasthof und Brauerei von Obereisenbuchner

Gasthof und Brauerei von Obereisenbuchner "Zum Franzbräu", aus der 1200-Jahr-Festschrift von 1973, S. 119

 

Neuer Poststallhalter wurde der Gastwirt Georg Wimmer, der das Gasthaus an der Kirchstr. 1 gepachtet hatte. Er erhielt die während des Krieges auf vier Fahrten reduzierte Verbindung zum Bahnhof aufrecht und fuhr gegen eine monatliche Vergütung von 150 Mark täglich einmal nach Neufraunhofen. Diese Fahrten wurden am 1. November 1919 eingestellt, weil an diesem Tage der Motorpostbetrieb auf der Linie Velden-Landshut wieder eröffnet wurde. Da somit auch die monatliche Vergütung von 150 Mark wegfiel, bat Herr Wimmer, unter Aufrechnung der Kosten für Postillion und Pferd, die Vergütung für die Bahnhofsfahrten zu erhöhen. Die Oberpostdirektion Landshut legte eine tägliche Arbeitszeit von vier Stunden zugrunde und errechnete an jährlichen Ausgaben für den Postillion 800 Mark, für das Pferd 1211 Mark und für sonstige kleinere Posten 70 Mark. Sie billigte dem Posthalter einen Unternehmergewinn von 10 Prozent zu und setzte demnach die Jahresvergütung auf 2292 Mark fest.

Im Februar 1921 wechselte die von Herrn Wimmer gepachtete Gastwirtschaft den Eigentümer. Der neue Eigentümer, Herr Georg Mayer aus Wanding, wollte das Gasthaus selbst betreiben, die Postfuhrleistungen aber nicht übernehmen. Die täglich viermaligen Verbindungsfahrten zum Bahnhof mit dem einspännigen Packwagen, die Eisenbahn und Motorpost übriggelassen hatten, übernahm ab 1. November der 27jährige Lohnkutscher Andreas Steckermeier in der Bahnhofstraße Nr. 3. Während der Inflationszeit verringerte sich der Post- und insbesondere der Paketverkehr so stark, dass die Bahnhofsfahrten auf zwei reduziert werden mußten. Die Bezüge des Poststallhalters stiegen jedoch bis zum Oktober 1923 auf 14,4 Milliarden jährliche Grundvergütung und 1,2 Milliarden monatliche Zulage. Auch nach der Inflation blieb es bei den zweimaligen Bahnhofsfahrten; die monatliche Vergütung betrug aber nur noch 54 Mark.

Während sich der Poststall in personeller und lokaler Hinsicht oft veränderte, verhielt sich die Postexpedition verhältnismaßig stabil. Der schon erwähnte Joseph Grußeder zog mit der Expedition noch in den Neunzigerjahren als Mieter in das Haus des Sattlermeisters Pfanzelt am Marktplatz, Ecke Riegergasse. Im Mai 1899 wurde der Postexpeditor 65 Jahre alt und trat in den Ruhestand. Er erhielt eine jährliche Pension von 876 Mark. Als er im Dezember 1907 starb, bekam seine Witwe hiervon noch ein Drittel; das waren monatlich 24,50 Mark.

Nach dem Ausscheiden Grußeders wurde das Postlokal vergrößert und vom Oberpostamt direct angemietet. Die Expeditionsgeschäfte wurde einige Jahre von verschiedenen Herren wahrgenommen. Der endgültige Nachfolger im Amt des Postexpeditors, Herr Max Stiglmaier, trat am 1. Dezember 1903 seinen Dienst an. Die Dienstgeschäfte hatten sich erheblich vermehrt, schon im Hinblick darauf, daß von 1905 an neben dem Morseapparat auch die Telephonvermittlung zu bedienen war. Die Räume, die vor wenigen Jahren noch als ausreichend angesehen worden waren, erwiesen sich bald wieder als zu klein. Es wurde deshalb noch ein weiterer Raum zum Postlokal hinzugemietet. Im Frühjahr 1914 berichtete Stiglmaier an die Oberpostdirektion in Landshut, dass die Diensträume vollständig unzureichend seien. Er hatte damit sicher recht. Das Lokal hatte zwar viele Fenster, war aber trotzdem nicht hell, weil die Riegergasse sehr schmal und das gegenüberliegende Haus ziemlich hoch war. Elektrisches Licht wurde der 1917 mit 4 Brennstellen eingerichtet. Der Fußboden war stark ausgetreten und schwankte bei schnellem Gehen und Auftreten so stark, das schriftliche Arbeiten so lange unterbrochen werden mußten. Unter dem Postlokal befand sich die Wagenremise des Vermieters, so daß es nur mit Mühe einigermaßen zu heizen war. Die Holzdecke im Obergeschoß hatte keinen Fehlboden; oben verschüttete Flüssigkeit tropfte ins Postlokal hinunter.

Die vielfachen Bemühungen um ein anderes passendes Postlokal waren sechs Jahre ohne Erfolg. Der Besitzer des Franzbräu, Herr Friedrich Balthasar Nöpper, hatte sich zwar im Juni 1914 erboten, den Saalanbau an seinem Gasthaus zu einem 150 qm großen Postamt auszubauen und gegen eine Jahresmiete von 1250 Mark an die Post zu vermieten; er mußte aber von diesem Projekt wirder zurücktreten, weil er zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Nach dem Scheitern dieses Planes erhöhte die Vermieterin des Postlokals ihre Jahresmietforderung für das 70 qm große Lokal von 600 auf 1200 Mark. Nun wurde in Erwägung gezogen, das Stechl’sche Gasthaus zu einem Postamt umzubauen, am Bahnhof eine Baracke zu errichten, in das Anwesen des Arztes Dr. Brux an der Hauptstraße ein Postamt einzubauen, es wurden Verhandlungen mit dem Bäckermeister Barth und dem Ziegeleibesitzer Schmittner gepflogen, die an der Babinger Straße gegenüber dem Bahnhof Neubauten aufführen wollten. Alle Bemühungen waren erfolglos. Dazu kam, dass die Miete für das Postlokal 1919 auf 2000 Mark angehoben wurde und die Vermieterin außerdem Eigenbedarf geltend machte.

Endlich, im Februar 1920, griff Herr Valentin Barth, der inzwischen Eigentümer des Franzbräu geworden war, den Plan aus dem Jahre 1914 wieder auf, seinen Saalanbau zu einem Postamt umzubauen. Er war zum Vermieten und zum Verkauf bereit. Am 20. Dezember 1920 erwarb die Postverwaltung das Grundstück zu Eigentum, baute es für ihre Zwecke um und eröffnete am 21. September 1921 das Postamt in der Gestalt, wie es sich heute dem Postkunden darbietet.

Quelle: 1200-Jahr-Festschrift des Marktes Velden, S. 113-121