Unterer Marktplatz in Velden

Geschichte des Marktes Velden

Am 13. September des Jahres 773 notierte ein Kanzleischreiber des Freisinger Domklosters, dass der Priester Sigo sein Landgut der Bischofskirche von Freising vermacht hat. Dieses Gut liegt am Rande eines Gebietes, das den Namen "feldin" trägt. Gewiss existierte Velden bereits vor 773, doch belegen dies keine archäologischen Funde. Die geografische Lage spricht dafür, dass die Gegend um Velden wahrscheinlich schon zu der Zeit bevölkert war, als das Vilstal noch von Urwald bedeckt war. Velden gehörte um das achte Jahrhundert zum Besitz des Herzogs Tassilo vom Geschlecht der Agilolfinger, das im Stammesherzogtum Bayern regierte. Der Herzogshof Velden gilt als ein Zentrum der Herrschaft der Agilolfinger. Nach großen Rodungen war ein wichtiges Getreideland mit Feld- und Graswirtschaft entstanden, in dem Landwirtschaft, Viehhandel und Handwerk gediehen. Im Jahr 788 setzte der Frankenkaiser Karl der Große den letzten agilolfingischen Bayernherzog Tassilo ab und machte das bis dahin selbständige Bayernland zu einer Provinz des mächtigen Frankenreiches. Nach Tassilos Sturz wechselte auch Velden in den Besitz Karls des Großen. Als 818 der Adelige Ellanmar neben der Vils eine Kapelle erbauen ließ, besaß das Verwaltungsgebiet Velden auch ein Kirchenzentrum.  

Um das Jahr 890 schenkte Aspert, der Kanzler des Frankenkaisers Arnulf, die Kapelle von Velden an das Kloster Sankt Emmeran in Regensburg. Auch der Bischof von Regensburg redete von da an in Velden ein gewichtiges Wörtchen mit. Zwar gehörte Velden weiterhin zum Bistum Freising, aber die weltliche Obrigkeit sollte 900 Jahre lang der Bischof von Regensburg verkörpern. Velden verlor seine Stellung als Königshof. Eine Urkunde vom 12. August 903 bestätigt, dass der Sohn des Kaisers Arnulf, Ludwig das Kind, den Königshof Velden mitsamt Leibeigenen, Gebäuden, Brücken, Wäldern und Wassern dem Bischof von Regensburg geschenkt hat. Bis 1803 ist ein verwirrendes Geflecht von verschiedenen herrschaftlichen Zuständigkeiten der Bistumskirchen Freising und Regensburg einerseits und der Herzöge von Bayern andererseits zu beobachten. Der Übergang von der königlichen in die bischöfliche Herrschaft bescherte Velden die Rivalität zwischen herzoglicher und bischöflicher Verwaltung über das gesamte Mittelalter hinweg. Das Fürstbistum Regensburg hütete seinen Besitz rund um Velden wie seinen Augapfel und die bayerischen Herzöge, vor allem die seit 1180 regierenden Wittelsbacher, suchten ihr Territorium und ihre Macht auch hier auszuweiten. Die Regensburgischen Güter in Velden zu verwalten, Steuern einzutreiben und Gericht zu halten, war Aufgabe des bischöflichen Propstes, der auf der Burg des Fürstbistums Regensburg in Eberspoint saß. Die Pröpste konkurrierten mit dem herzöglichen Pfleger von Vilsbiburg. Im Jahr 1224 erwarben die Wittelsbacher sogar die Vogtei in Eberspoint. Seit 1300 saß in Velden auch ein herzoglicher Amtmann, der im Auftrag des Landrichters zu Vilsbiburg die Verwaltung und das Hofmarksgericht im Orte leitete.  

Wann Velden zum Markt erhoben wurde, ist bis heute ungewiss, da keine Marktgründungsurkunde existiert. 1295 wird Velden erstmals als "Hofmark" erwähnt. 1394 werden in einer Gerichtsurkunde die ersten Bürger von Velden genannt. Dies ist ein Indiz, daß Velden um diese Zeit schon das Marktrecht besaß. Von einer bürgerlichen Selbstverwaltung kann man erst seit 1484 sprechen. Das erste Rathaus wurde um 1498 erbaut. In dieser Zeit des bürgerlichen Aufstiegs bauten die Veldener um 1450 die stattliche Pfarrkirche, die seitdem als Wahrzeichen des Ortes in das Vilstal grüßt.

Herzog Ludwig X. verlieh dem Ort im Jahr 1516 das Marktwappen. Not und Elend brachten die Pestepidemien im 14. und 15. Jahrhundert, der niederbayerische Erbfolgekrieg von 1503 bis 1505 sowie der Dreißigjährige Krieg. Schwedische Truppen, die überall im Land wüteten, plünderten und verwüsteten vom 19. bis zum 22. Juni 1633 den Markt. Es waren viele Verwundete und Tote zu beklagen. Velden wurde zu dieser Zeit so sehr beschädigt und gebrandschatzt, daß der Ort noch im 19. Jahrhundert in einem miserablen Zustand war. Jahrhundertelang lockten dennoch die großen Jahrmärkte und die Viehmärkte viele Menschen nach Velden. 1830 standen in Velden 167 Häuser sowie die Pfarrkirche, das Rathaus, ein Benefiziatenhaus, das Schulhaus, das Armenhaus, sechs Brauereien, sechs Branntweinbrennereien, ein Weinhaus, zwei Bierwirtshäuser, eine Ziegelhütte und eine Mahlmühle. 1810 endete die Regensburger Herrschaft über Velden. Das Hochstift Regensburg war in den Wirren der Säkularisation wie alle anderen Fürstbistümer untergegangen und wurde Teil des Königreiches Bayern. 1834 öffnete das neue Lokalkrankenhaus seine Pforten. Velden erhielt eine Apotheke. Im Jahr 1843 hielt die erste Postkutsche.

1862 wurde das Rathaus erbaut. Doch dann wurde Velden 1865 von einer verheerenden Brandkatastrophe heimgesucht. Die meisten Holzhäuser wurden zu Schutt und Asche. Die wirtschaftliche Bedeutung Veldens war durch den Bau zahlreicher Eisenbahnlinien in Ober- und Niederbayern dramatisch zurückgegangen. Nur der Eisenbahnanschluß konnte den Verfall der Wirtschaftskraft des Marktes verhindern. Trotz erheblicher Widerstände wurde der Bau einer Lokalbahn von Dorfen nach Velden durchgesetzt. Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Bahnlinie mit Zustimmung des Prinzregenten Luitpold von Bayern am Heiligabend 1898 ihrer Bestimmung übergeben. 95 Jahre lang verkehrten Züge zwischen Dorfen und Velden. 1968 wurde wegen Unrentabilität der Personenverkehr eingestellt. Der Güterverkehr wurde bis 1993 fortgesetzt; dann legte die Deutsche Bundesbahn im Zuge der Umstrukturierungen die Strecke endgültig still. Der Abbau der Gleisanlage ist im Jahr 1995 erfolgt.

Um 1900 war die hohe Zeit des alten Velden mit seinen herrlichen, schattigen Sommergärten. Berühmt war der Ort vor allem wegen seiner großen Brauereien. Fast alle Wirte und Bauern der näheren und weiteren Umgebung deckten ihren Bierbedarf in Velden. Die beiden Weltkriege brachten ebenso Unheil über den Markt wie der Nationalsozialismus, der aber seine Erfolge im katholischen Vilstaler Bauernland weitaus zäher errang, als in den größeren Orten. Nach mühsamen Nachkriegsjahren, in denen viele Flüchtlinge und Vertriebene unterzubringen waren, folgte in den sechziger Jahren der Aufschwung. Das erste Volksfest wurde im Jahr 1957 abgehalten. Florierende Gewerbe- und Handwerksbetriebe ließen sich am Ort nieder und brachten wichtige Arbeitsplätze. Von 1967 bis 1973 entstand ein neues Schulgebäude mit Turnhalle und Sportplatz. Im Jahr 1969 wurde für die evangelischen Mitbürger das Gemeindezentrum "St. Andreas" errichtet. Velden als regionales Zentrum wurde gestärkt, als sich 1972 die Nachbargemeinde Babing in den Markt eingliederte. Ein Großteil der Gemeinde Ruprechtsberg folgte 1976 diesem Beispiel. Im gleichen Jahr wurde Velden als Hauptort des neuen Pfarrverbandes bestätigt.

Die markantesten Änderungen brachte jedoch die Gebietsreform zum 01. Mai 1978, mit der die Gemeinde Eberspoint sowie Teile der Gemeinden Vilslern, Holzhausen, Neufraunhofen und Felizenzell eingemeindet wurden. Als neue Form der kommunalen Verwaltung wurde die Verwaltungsgemeinschaft Velden gegründet, der die Gemeinden Velden, Neufraunhofen und Wurmsham als eigenständige Mitgliedsgemeinden angehören. Die siebziger, achtziger und neunziger Jahre sind als Zeit der Investitionen zur Verbesserung der Infrastruktur zu bewerten. Mit einer äußerst umfangreichen Ausweisung von Baugebieten konnten sich die zentralen Orte Velden, Eberspoint und Vilslern erweitern. Zu den größten Bauprojekten zählte die biologische Kläranlage, die 1976 ihren Betrieb aufnahm. Für eine große Entlastung der Bewohner des Marktplatzes sorgte der Bau der Ortsumgehung, mit der es gelang, den starken überörtlichen Durchgangsverkehr aus dem Zentrum auszulagern. 1981 wurde der Veldener Kindergarten komplett umgebaut. Das neue Rathaus der Verwaltungsgemeinschaft wurde im Dezember 1982 bezogen. Ein Großprojekt war auch die vollständige Erneuerung der Wasserversorgung mit zwei neuen Tiefbrunnen und dem neuen Wasserwerk in den Jahren 1984 bis 1986 sowie der Ausbau der Versorgung in das Umland in den folgenden Jahren. Das frühere Eberspointer Schulhaus hat die Gemeinde zu einem schönen Kindergarten umgebaut. 1993 konnte das neue Sportzentrum des TSV Velden mit anliegendem Freizeit- und Erholungsgelände eingeweiht werden. Auch in den Orten Eberspoint und Vilslern gibt es großzügige Sportanlagen. Das größte Hochbauprojekt seit dem Kirchenbau war der 1991 abgeschlossene Umbau des ehemaligen Kreiskrankenhauses in das Alten- und Pflegeheim St. Vinzenz durch das Bayerische Rote Kreuz. Mit der Aufnahme in das Bayerische Städtebauförderungsprogramm hat die Gemeinde erhebliche Finanzmittel für die Ortskernverbesserung erhalten. So wurde ein zentraler Parkplatz in der Jahnstraße geschaffen und die alte Bahngüterhalle in eine Ausstellungshalle umgewandelt. Hauptmaßnahme war die komplette Umgestaltung des Marktplatzes, der damit eine besondere Aufwertung erfahren hat. Die Veldener sind stolz auf ihre Geschichte.

Das zeigte sich schon 1819, als nach dem Konkordat des Königsreichs Bayern mit dem Heiligen Stuhl die bemerkenswerte Tausendjahrfeier der Pfarrkirche stattfand. Unvergessen ist auch die prächtige 1200-Jahrfeier des Ortes im Jahr 1973, die mit vielen Veranstaltungen ein ganzes Jahr lang begangen wurde. Und zwanzig Jahre später konnten die Vilslerner das 1200-jährige Bestehen ihrer Orte würdig begehen. Im Jahr 1994 feierte der Ort Eberspoint sein 850-jähriges Bestehen, wobei die neu errichtete Waldkapelle am Staatsforst bleibend an dieses Ereignis erinnert. Auch völkerverbindend hat die Gemeinde Velden vielbeachtete Akzente gesetzt. Seit dem Jahr 1976 besteht eine Partnerschaft mit der italienischen Gemeinde Roana in der Region Venetien. Die zweite Partnerschaft mit der am Atlantik gelegenen französischen Gemeinde Aigrefeuille wurde offiziell im Jahr 1986 besiegelt. In diesen Jahren haben zahlreiche Begegnungen zwischen Bürgern und Vereinen stattgefunden, die als kleiner Beitrag für ein friedliches und geeintes Europa zu sehen sind. Traditionsbewußtsein und Fortschritt gehen in der Gemeinde Velden Hand in Hand. Der Markt ist für die Zukunft gut gewappnet. Am Tor zwischen Ober- und Niederbayern grüßt den Besucher ein blühendes Gemeinwesen. 

Bebilderte Informationen zur Geschichte Veldens finden Sie auch unter:
http://www.aufbruch-velden.de/was-war-geschichte.html