Georg-Brenninger-Freilichtmuseum in Velden

Prof. Georg Brenninger

In Brasilien und Brüssel, in berühmten Sammlungen und Museen, auf öffentlichen Plätzen großer Städte stehen Skulpturen des Bildhauers Georg Brenninger. Die meisten und wohl auch eindrucksvollsten seiner Werke befinden sich in Velden an der Vils. Rund 25 Exponate kann man im Brenninger-Freilichtmuseum bewundern, auf das zwei große Tafeln an der B388 hinweisen.

In Velden ist Georg Brenninger 1909 geboren und aufgewachsen, dort liegen seine Wurzeln, aus denen er zeitlebens Kraft und Energie schöpfte. Er war eng verwachsen mit der Landschaft seiner Heimat, den fruchtbaren Äckern und Wiesen, den Wegen und Straßen mit alten Bäumen, den Wäldern, Tälern und sanften Hügeln. Das Sinnliche und Anmutige dieser Landschaftsformen waren für ihn gleichnishaft ein Bild der Frau, von den busigen Hügeln schwärmte er immer wieder.

100 Jahre Georg Brenninger - das Jahr 2009 im Rückblick

Abschlusskonzert bildet den krönenden Abschluss des Brenninger-Jahres (2009)

Musikalische Avantgarde vollzog den krönenden Abschluss der Gedenkveranstaltungen, die der Markt Velden dieses Jahr zu Ehren den 100. Geburtstag von Professor Georg Brenninger initiierte

Die Tanzharmonie begeisterte am Freitagabend im Gasthaus Putz-Zviedris in Obervilslern rund 200 Gäste mit einem lupenrein nostalgischen Repertoire an Tanz- und Tonfilmschlagern aus den 1920er und 1930er Jahren.

„In seiner Jugendzeit musizierte Georg Brenninger im Veldener Raum mit Musikkapellen. Deshalb lag es nahe, das ereignisreiche Jahr mit diesem Konzert abzuschließen. Mit der Tanzharmonie ist es gelungen, einen Bogen von der Kunst zur Musik zu spannen und einen Rückblick zu schaffen", sagte Bürgermeister Gerhard Babl in seiner Festrede. Zum kollektiven Amüsement hatten sich illustre Gäste eingefunden. Neben Oliver Schmidt und Friederike Lehle von der Margarete-Ammon-Stiftung gaben sich Landtagsabgeordneter Erwin Huber und die stellvertretende Landrätin Christel Engelhardt die Ehre.

Der Festabend mit der Tanzharmonie gestaltete sich als musikalische Retrospektive in die Jugendjahre Georg Brenningers, in denen er sich zeitweise als Geigenspieler verdingte. Er musizierte auch mit Hans Sedlmeier, einem professionellen Musiker im Nachkriegsbayern, dem Großvater der beiden Orchestermitglieder Joseph und Gerhard Galler.

Die 14 brillanten Musiker der Tanzharmonie mit komödiantischen Neigungen verzückten das Publikum mit den legendären Tanz- und Tonfilmschlagern aus einer denkwürdigen Zeit des gesellschaftlichen Wandels: jedwede alte Zöpfe wurden kompromisslos abgeschnitten. Rauchende Frauen mit ellenlangen Zigarettenspitzen trugen Bubikopf und kesse Hängekleidchen. Man traf sich zur „gemeinsamen Abendunterhaltung", frönte mit Charleston, Rumba und Tango neuen „wilden Tanzstilen". Freche Lieder mit Texten voll lasziver Erotik wurden zu Gassenhauern.

„Let´s make love, let´s do it again" - die Tanzharmonie spielte „die entschärfte Fassung" in Deutsch mit dem Titel „Sei mal verliebt", einst von Hildegard Knef gesungen. „...Ein jeder Goldfisch im Glas macht es, ein Betriebsausflug im Gras macht es. Spaß macht es - sei mal verliebt". Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da: „Berauscht Euch, Freunde, trinkt und liebt und lacht und lebt den schönsten Augenblick! Die Nacht, die man in einem Rausch verbracht, bedeutet Seligkeit und Glück!". Diesen Ausdruck purer Lebenslust aus dem Jahr 1938 würde man sich in unserem nüchternen Zeitalter gar nicht mehr zu schreiben wagen.

Doch mit alledem verzückten die musikalischen Komödianten der Tanzharmonie das Publikum. Und dem Nostalgie-Schauorchester strömten jede Menge „angenehme Geräusche" in Form von tosendem Applaus entgegen. Joseph Obermeier brillierte als Refrainsänger und Faxenmacher, nonchalance-nasal gab sich Joachim Siebert als Conferencier. Er spielte neben Helmut Dillinger, Ulrich Schrankl und Ralf Stierle an Saxophon und Klarinette. Lorenz Priglmaier blies die Trompete. Vor allem die drei Damen des Ensembles verzückten das Publikum: Christina Eicher und Veronika Keglmaier als erste und zweite Geigerin und Marita Maierholzer auf dem Klavier. Musikalischer Leiter ist Peter Mühlbauer, er spielte das Tenorbanjo. Gerhard Galler -von Engel übernahm Kontrabass und Sousaphon, Gerhard Harlander das Schlagwerk.

Zwischendurch erzählte Joachim Siebert überlieferte Anekdoten mit lustigen Begebenheiten um Georg Brenninger als Musikus. Mit einem Schmankerlbankett kamen auch die Gaumenfreuden nicht zu kurz. Später am Abend ließ sich das Tanzbein schwingen.

„Der 100ste Geburtstag von Professor Georg Brenninger wurde vom Markt Velden zum Anlass genommen, sein Leben und Wirken in Erinnerung zu rufen und zu würdigen", sagte Bürgermeister Gerhard Babl in seiner Rede. Er bezog sich auf die Reihe von Gedenkveranstaltungen, die der Markt Velden das ganze Jahr hindurch organisierte. Mit Wilfried Scharnagl beim Auftakt und Dr. Theo Waigel auf dem Brenninger-Rundweg war neben Erwin Huber auch die Polit-Prominenz mit von der Partie. Velden habe durch all diese Aktivitäten überregional einen großen Imagegewinn zu verzeichnen: „Die Besonderheit unseres schönen Marktes mit den vielen Brenninger-Kunstwerken im öffentlichen Raum wurde nachhaltig ins Bewusstsein gebracht". Dies gelte nicht nur für die örtliche Bürgerschaft, der dieser Schatz vorher gar nicht bewusst war. Auch überregional sei Velden nun als „Brenninger-Ort" ein Begriff geworden. Babl vergegenwärtigte die Tatsache, dass Georg Brenninger seinem Geburtsort alle hier befindlichen Kunstwerke als Schenkung hinterließ.  Der Bürgermeister dankte namentlich allen, die sich um die Organisation der diesjährigen Festivitäten verdient gemacht hatten. 

Marktgemeinderat Willi Reichvilser, der die Organisation des Abends übernommen hatte, überreichte Oliver Schmidt im Namen des Marktes Velden den Druck eines Brenninger-Porträts. Oliver Schmidt zeigte sich beeindruckt, auf welche Weise Velden die für das Brenninger-Jahr gesteckten Ziele verwirklichte. „Damit hat der Markt Velden Georg Brenninger zur unsterblichen Legende gemacht". 

Zur Versteigerung der original Brenninger-Taube, eine Spende der Margarete-Ammon-Stiftung, gingen drei schriftliche Angebote, unter anderem von Erwin Huber ein. Das Rennen machte Dr. Angelika Uebelhoer, in Velden praktizierende HNO-Ärztin, mit einem Angebot von 1 500 Euro.

„Der Markt Velden hat in der Bevölkerung den Sinn für die Kunst geschärft und ein neues Bewusstsein für Georg Brenninger geschaffen", sagte Erwin Huber. Um Georg Brenninger weiterhin lebendig zu halten, äußerte er die Bitte, den Rundgang zu den Kunstwerken auch künftig anzubieten. Georg Brenninger bekannte seine Liebe zur Heimat und setzte ein Zeichen, indem er Velden einmalige Kunstwerke vermachte. Auf diese Weise werde er in seinem Geburtsort lebendig bleiben, sagte Erwin Huber und gestand: „Auch ich bin in diesem Jahr ein Georg-Brenninger-Fan geworden".

Quelle: Pressebericht von Irmgard Rampp

 

100 Jahre Georg Brenninger gehen zu Ende (2009)

Für den Markt Velden war 2009 ein besonderes Jahr. Der 100. Geburtstag von Professor Georg Brenninger wurde zum Anlass genommen, das Leben und Wirken des am 13. November 1988 verstorbenen Heimatsohns in Erinnerung zu rufen und zu würdigen

Und das mit folgenden Programmschwerpunkten in eindrucksvoller Weise gelungen.

- Beschriftung der Kunstwerke in Velden
- Eröffnungsveranstaltung am 24. April 2009
- Fußballspiel TSV Velden gegen TSV Buchbach
- Pferderennen beim Volksfest in Velden
- Fahrt nach München und Söcking zur Besichtigung der Brenninger-Werke
- Führungen über den Brenninger-Rundweg durch das Freilichtmuseum Velden
- Projekt Kunst & Jugend
- Besuch von Finanzminister a.D. Dr. Theo Waigel in Velden – ein langjähriger Freund des verstorbenen Künstlers
- Ausstellung in der Güterhalle
- Abschlusskonzert mit der Tanzharmonie am 18. Dezember 2009

Dazu kommen viele kleinere Dinge, die teilweise über Velden hinausgegangen sind. Als Beispiele sind anzuführen:

- Initiative zur Sanierung von Brenninger-Kunstwerken in München
- Besuch von auswärtigen Ausstellungen, wie z.B. im Kithan-Haus in München
- Fernsehbericht in RFL und im Bayerischen Rundfunk
- Überörtliche Presseberichte in ganz Niederbayern, der Süddeutschen Zeitung und vielen weiteren Zeitungen

Zusammenfassend hat das Brenninger-Jahr für Velden einen großen Imagegewinn gebracht. Die Besonderheit unseres schönen Marktes mit den vielen Brenninger-Kunstwerken im öffentlichen Raum wurde nachhaltig in das Bewusstsein gebracht. Dies gilt nicht nur für die eigene Bürgerschaft, der dieser Schatz vielfach gar nicht bewusst war. Auch überregional ist Velden als Brenninger-Ort jetzt ein Begriff. Mit diesem Pfund werden wir weiter wuchern. In Kürze werden zwei Hinweistafeln an der Bundesstraße 388 alle Verkehrsteilnehmer auf das Brenninger-Freilichtmuseum hinweisen und zum Besuch des Ortes einladen. Am Marktplatz und vor dem Haupteingang des Friedhofs werden Tafeln mit den Standorten der einzelnen Kunstwerke aufgestellt.

Vielfach unbekannt war, dass der Markt Velden alle Kunstwerke von Professor Brenninger geschenkt bekommen hat. Diese Schenkung und das damit verbundene Vertrauen gilt es zu bewahren. Ebenfalls vielfach unbekannt ist, dass die Baufirma Josef Hübl aus Velden viele Arbeiten beim Aufstellen der Brenninger-Kunstwerke ohne Berechnung vorgenommen hat. Auch dies darf nicht vergessen werden und hat unsere dauernde Anerkennung.

Zum Schluss eines arbeitsintensiven Jahres ist es auch angebracht, kurze Worte des Dankes zu sagen. Die Mitglieder des Arbeitskreises haben ehrenamtlich eine hervorragende Leistung erbracht. Mit tollen Ideen, viel Engagement und einem hohen Zeiteinsatz konnten die vielen Veranstaltungen und Projekte erfolgreich durchgeführt werden. Stellvertretend für viele Personen, die mitgewirkt haben darf ich heute besonders hervorheben:

Zweiten Bürgermeister Jakob Oßner
Dritten Bürgermeister Eduard Poschinger
Marktgemeinderatsmitglied Stefan Schütze
Marktgemeinderatsmitglied Ernst-Georg Eichner
Marktgemeinderatsmitglied Willi Reichvilser
Marktgemeinderatsmitglied Florian Oßner
Marktgemeinderatsmitglied Martin Schuster
Der unermüdliche Joseph Schuster vom Heimatverein Velden
Frau Dr. Beate Pohlus
Die Verantwortlichen der Margarethe-Amon-Stiftung
Die Veldener Hobbykünstler
Die Veldener Schule
Alexander Oßner beim Projekt Kunst & Jugend
Markus Rusch beim Projekt Kunst & Jugend
Sabine Holzer beim Projekt Kunst & Jugend
Irmgard Rampp für die Pressearbeit
Die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Velden

Diese Aufzählung ist bei weitem nicht abschließend. Es gab viele Unterstützer. Allen – besonders auch den heute ungenannten Helfern - gilt mein besonderer Dank.

Die vielen Veranstaltungen, aber auch das Leben und Wirken sind im Internetauftritt des Marktes Velden eindrucksvoll dokumentiert. Sie können hier auch einen Flyer über den Brenninger-Rundgang in Velden abrufen.

Alle Interessenten laden wir ein, unseren schönen Ort im Vilstal zu besuchen. Lassen Sie sich von der Besonderheit des Marktes mit seiner interessanten Topografie, den schönen Fassaden und vor allem der Reichhaltigkeit des Brenninger-Freilichtmuseums.

Velden, 21. Dezember 2009

Markt Velden


Gerhard Babl
Erster Bürgermeister 

Im Bann der Bildhauerkunst - Pressebericht (2009)

Beeindruckende Fahrt zu den Brenningerwerken nach München und Söcking

Im Rahmen des Brenninger-Jahres 2009 lud der Markt Velden zu einer Fahrt nach München und Söcking ein. Über den Verlauf informiert folgender Bericht.

Den Künstler und Menschen Georg Brenninger ein Stück mehr zu begreifen, dies war Sinn und Zweck der vom Markt Velden veranstalteten Kunstreise. In Zusammenarbeit mit Oliver Schmidt, geschäftsführendem Vorstand der Margarete-Ammon-Stiftung und Dr. Beate Pohlus gestaltete sich dieser Programmpunkt im Rahmen Veranstaltungsreihe des Brenninger-Jahres als absoluter Volltreffer.

Ein ganzer Bus, voll besetzt mit Kunstinteressierten und Zeitzeugen Georg Brenningers, machte sich am vergangenen Samstag mit zweitem Bürgermeister Jakob Oßner an der Spitze auf den Weg zu eindrucksvollen Stationen des in Velden gebürtigen Bildhauers. Dr. Beate Pohlus, in Velden mittlerweile bestens bekannt als einschlägige Brenninger-Expertin, verstand es auch diesmal wieder, alles Wissenswerte eindrucksvoll zu vermitteln.

Nach einem kurzen Halt am Felsenbrunnen vor der Münchener Rückversicherung in Königinstraße ging es in die Georgenstraße, wo Brenninger wohnte und arbeitete. Der Garten des Atelierhauses liegt unmittelbar an der Grundstücksgrenze zur Akademie der bildenden Künste. Dort warten das „Spiel der verschränkten Figuren", „Gemini" und der einzigartige „Friedensbrunnen mit Friedenstauben" darauf, dass ihnen bald eine neue Ehre zuteil wird. Denn noch im Oktober werden diese Werke an einer exponierten öffentlichen Stelle neu zur Geltung kommen. Hier im Garten legte Brenningers Veldener Freund, der Bauunternehmer Josef Hübl in seinem Auftrag einen künstlichen Wasserlauf an, in dem sich einst Goldfische tummelten. An der Wand im Eingang des Anwesens finden sich frühe Werke Brenningers von kunsthistorischer Bedeutung.

Auch der Besuch des Kithan-Hauses am Maximiliansplatz stand auf dem Plan. Als erstes Glashaus der Nachkriegszeit erhielt das Bauwerk zahlreiche Architekturpreise, es steht seit 1993 unter Denkmalschutz. „Kithan" ist eine noch heute existierende Grundstücksgesellschaft mit Sitz in München und Berlin, 1949 gegründet von der Ehefrau Brenningers zum Aufbau vom Krieg zerstörter Gebäude. Die Namensbezeichnung setzt sich zusammen aus den ersten Buchstaben ihres Mädchennamens und ihres Heimatorts Thannhausen.

Auch die Besichtigung des Giebels des Nationaltheaters als aufwändigstes Werk Brenningers durfte nicht fehlen. Hier ging Dr. Pohlus ausführlich auf die Geschichte des klassizistischen Bauwerks ein, dessen Wiederaufbau nach dem Krieg durch Münchener Bürger finanziert wurde. Den Wettbewerb aus dem Jahr 1965 zur Ausgestaltung des untern Giebels mit Apoll und den neun Musen hatte Georg Brenninger auf Anhieb gewonnen. Doch ein paar seiner Bildhauerkollegen hätten ihm bei der Verwirklichung arg zugesetzt und sogar öffentlich gegen ihn interveniert, wusste Dr. Pohlus zu berichten.

Tief beeindruckt zeigte sich die Veldener Reisegruppe auf der letzten Station, nämlich die Kirche der Pfarrei Sankt Ulrich in Söcking. In diesem 1958 eingeweihten, bemerkenswerten Bauwerk brachte Brenninger seine unerbittliche Tatkraft und Urgewalt wohl am deutlichsten zum Ausdruck. In die monumentale Altarwand meißelte er die mystische Formel von der göttlichen Allmacht und Unendlichkeit in ewigen Stein: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort". Pfarrer Josef Huber gab erläuternde Worte zu dieser biblischen Botschaft.

Die Kunstreise gestaltete sich durch die fundierten Ausführungen von Dr. Beate Pohlus und den Erzählungen der Veldener Zeitzeugen als einmalige Gelegenheit, mit den Werken des Bildhauers Brenninger und seiner schillernden Persönlichkeit auf Tuchfühlung zu gehen. So konnte jeder Reiseteilnehmer seine persönlichen Eindrücke sammeln und sich sein eigenes Bild vom Menschen und Künstler Georg Brenninger formen.

Quelle: Pressebericht von Irmgard Rampp

Theo Waigel auf Rundgang zu den Werken seines Freundes Georg Brenninger (2009)

„All diese beachtlichen Kunstwerke sind ein Glücksfall für Velden", Theo Waigel zeigte sich beim Brenninger-Rundgang höchst beeindruckt. Als einst guter Freund des berühmten Bildhauers besuchte der frisch gebackene CSU-Ehrenvorsitzende am Montagnachmittag gemeinsam mit Erwin Huber den Markt Velden

An einem trüben, regnerischen Novembertag des Jahres 1988 führte Theo Waigel der Weg erstmals nach Velden, nämlich zur Beerdigung seines Freundes Georg Brenningers. Nun, da der Geburtsort dem Bildhauer anlässlich seines 100. Geburtstags im Rahmen des „Brenninger-Jahres" besondere Ehre erweist, kam Theo Waigel wieder. Ihm war es eine Ehrensache, der Einladung der Marktgemeinde, wenn auch verspätet, nachzukommen. Denn am Eröffnungszeremoniell konnte er aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen.

Auf der Durchreise habe er vor ein paar Jahren in Velden Halt gemacht, um sich einige Werke von Brenninger anzusehen, sagte Waigel. Mit seiner Familie werde er sicher nochmals hierher kommen, denn Velden sei der Ort, an dem sich sein Freund Georg Brenninger als Künstler am deutlichsten verewigt habe.

Am Petrusbrunnen brachte Bürgermeister Gerhard Babl im Beisein von Bürgermeistern und Altbürgermeistern der Nachbargemeinden seine Freude über den hohen Besuch zum Ausdruck und er dankte Erwin Huber, der dieses Treffen eingefädelt habe.

„Georg Brenninger war eine unglaubliche Persönlichkeit", sagte Theo Waigel. Viele wunderschöne Stunden habe er in Brenningers Atelier in München verbracht und ihm bei der Arbeit zugesehen. Das außergewöhnliche Wesen Georg Brenningers wusste Theo Waigel während des Rundgangs durch viele kleine Anekdoten zu beschreiben.

 „Wenn i stirb, gibst dem Theo a Taube", soll Brenninger seiner Frau aufgetragen haben. Theo Waigel hat die Taube bekommen und er habe noch so manche wunderschöner Werke vom ihm daheim, sagte er. Zum Beispiel den „Bauernbub", mit seinem schuldbewussten Gesichtsausdruck. Damit habe Brenninger einen Nachbarsbuben verewigt, der ihm an seine frisch gemauerte Hauswand pinkelte, von ihm erwischt und ausgeschimpft wurde, erzählte Waigel. „Den gibt's nicht mehr", habe Brenninger gesagt, als Waigel Interesse an diesem Werk geäußert habe. An einem Heiligabend kam dann ein Bote zu ihm nach Oberrohr und brachte Waigel im Auftrag Brenningers den „Bauernbub". Überhaupt erfuhr man beim Rundgang mit Theo Waigel so allerhand über den Menschen Brenninger: „Mit einem Vesuv kann man nicht verheiratet sein", erklärte seine Frau die Scheidung. Wie impulsiv und jäh aufbrausend er sein konnte, das zeigte die Begebenheit, als Brenninger einst von einer Reise nach Hause kam. Da hatte seine Frau in der Zwischenzeit das Wohnzimmer neu eingerichtet. Und dabei allem Anschein nach Brenningers Geschmack überhaupt nicht getroffen. Kurzerhand warf er die neuen Möbelstücke, eines nach dem anderen, aus dem Fenster. Er holte sich seine alten Möbel wieder zurück: einen riesigen Holztisch und einfache Schemel. Der Platz, an dem immer schon im Kreise seiner Freunde gefeiert worden war, insbesondere ein legendäres Schlachtschüsselessen.

Nach dem Krieg, erzählte Waigel, habe Brenninger ungeheure Macht unter den Münchener Künstler genossen. Dass er immer massenweise Würste mitbrachte, könnte, so trivial das klingen mag, eine Rolle gespielt haben.

Theo Waigel stammt aus dem schwäbischen Oberrohr, zwei Kilometer entfernt von Thannhausen. Nach dem Abitur verschaffte er sich dort während eines Praktikums bei den Fleischwerken Zimmermann erste bürokaufmännische Einblicke. Mit der Tochter des Wurstfabrikanten war er schon in der Jugend gut bekannt. Von ihr flatterte ihm eines Tages die Einladung zur Geburtstagsfeier des Ehemannes, nämlich Georg Brenninger, ins Haus. Bei der ersten Begegnung mit ihm wollte Waigel punkten und erwähnte einen befreundeten Kunstprofessor. „Was, mit meinem Todfeind bist du befreundet!", polterte Brenninger daraufhin. Nichts desto trotz entwickelte sich zwischen beiden eine innige, freundschaftliche Beziehung. Waigel war und blieb ein großer Bewunderer seiner Kunst. Beate Pohlus, die kürzlich ihre Doktorarbeit über Georg Brenninger fertig stellte, unterstützte Eduard Poschinger bei der Führung des Rundgangs und erläuterte dem Publikum die Bedeutung der Werke in gewohnt souveräner und einfühlsamer Weise. Kraft geschöpft habe Brenninger sicherlich aus seiner Verwurzelung in seiner Heimat, meinte sie. Die Marktsanierung unter Einbeziehung der vielen Brenninger-Kunstwerke habe in Velden besondere Früchte getragen, freute sich Theo Waigel.

Bericht von Irmgard Rampp

Kulturrundgang mit Besichtigung der Brenninger-Kunstwerke (2009)

Große Kunst auf Schritt und Tritt - Der Markt Velden lud zur Eröffnung des „Brenninger-Rundgangs" mit professioneller Führung. Unter großer Resonanz von einheimischen und auswärtigen Teilnehmern vollzog sich am 23. Mai 2009 die Eröffnung des Rundgangs zu den Werken von Professor Georg Brenninger

Beate Pohlus, die sich in ihrer Doktorarbeit eingehend mit dem in Velden gebürtigen Bildhauer befasste, gab an den einzelnen Stationen Erläuterungen aus künstlerischer Sichtweise.

„Jeder möchte die Kunst verstehen - Warum versucht man nicht, die Lieder eines Vogels zu verstehen", diesen Ausspruch Pablo Picassos gab der Pauluszeller Künstler und Maler Franz Xaver Maurer-Fos den Teilnehmern mit auf den Weg. Marktgemeinderat Ernst Georg Eichner, zeigte sich für die Organisation des zweistündigen Spaziergangs verantwortlich. Zuvor übernahm Bürgermeister Gerhard Babl die offizielle Eröffnung des „Brenninger Rundgangs" am Petersbrunnen, den Georg Brenninger dem Markt Velden anlässlich der 1200-Jahr-Feier siftete: Das Wasser sucht sich seinen Weg entlang der abstrahierten Darstellung eines Felsen mit all seinen Ecken und Kanten. „Ein Bildhauer denkt in Formen", erklärte Maurer-Fox den künstlerischen Blickwinkel. Er arbeitete eine zeitlang in Brenningers Atelier an der Akademie der bildenden Künste in München. Am Apoll erläuterte Beate Pohlus Brenningers kräftezehrendes Unterfangen zur Ausgestaltung des Giebels am Nationaltheater. Dies war Mitte der sechziger Jahre der größte Auftrag, der in ganz Europa vergeben wurde. Georg Brenninger hatte den Wettbewerb auf Anhieb gewonnen. Das Verfahren zog sich über acht Jahre hinweg, immer wieder blockiert durch konkurrierende Bildhauerkollegen, und wurde 1972 im Rahmen der Feierlichkeiten zu den Olympischen Spielen feierlich enthüllt. Nachdem Brenninger den Apoll für das Nationaltheater in Bronze fertig gestellt hatte, entschied sich die Jury in einer Ausführung aus Stein. Die Stadt München wollte den Bronze-Apoll im Olympiapark aufstellen, doch Brenninger vermachte ihn seinem Heimatort.

Der Rundweg führte zur Stele mit den Tauben am Marktplatz aus dem Jahr 1973. Über das Sattlergassl und die Schäfflerstraße führte der Weg zum neuen Friedhof, dessen Planung Brenninger übernahm. Auch die Aussegnungshalle aus den 80er Jahren ist ein Werk von ihm. Im Inneren hängt seine Kreuzigungsgruppe aus dem Jahr 1938. Brenningers Ehrengrab im alten Friedhof mit dem betenden Mönch, entstanden 1981, ist von einer besonders spirituellen Aura umgeben. Ein halbes Jahr vor seinem Tod habe Georg Brenninger das Familiengrab neu gestalten lassen, erzählte Beate Pohlus. „In dieser Figur sind Innerlichkeit und Meditation vereint mit der geometrischen Auffassung", erklärte sie. „Dies ist eine von Brenningers besten Arbeiten", sagte Maurer-Fox. Der Betende - hier könne man nichts weglassen und nichts hinzufügen. Auf dem Veldener Friedhof sind außerdem noch so manche Grabsteine zu finden, die Brenninger noch in der Vorkriegszeit als Auftragsarbeiten ausführte. Hier steht auch eine Auftragsarbeit der Gemeinde zum Thema „Werden und Vergehen". Sie zeigt Kindheit, aktives Leben und das Alter. An der Georg-Brenninger-Str. 11 gegenüber der Schule steht das von ihm gebaute Wohnhaus mit Atelier, das er einige Zeit bewohnte. Die Eule an der Schule ist eine freie Arbeit, die der Künstler der Gemeinde stiftete. Der Rundweg führte zum Vorplatz des Kindergartens. Hier steht eine Variante der Bergpredigt in Stein und die Bronzeplastik „Raphael und Tobias" auf einer meterhohen Säule. Schließlich ging der Weg vorbei an der Stele mit den zwei Schwestern und zum Mahnmal für den Frieden. Hier ist die Bergpredigt in veränderter Form in Bronze sowie Flachreliefs zu sehen. Diese Arbeiten aus dem Jahr 1932 zeigen den betenden Jesus am Ölberg und einen Engel mit Kelch. Am Sängerbrunnen, den Brenninger den Vilstaler Sängern widmete, endete der Rundgang. Georg Brenninger sei in jungen Jahren auch Mitglied der Veldener Liedertafel gewesen, erklärte Martina Huber. Unter der Leitung von Elisabeth Gruber sang die Liedertafel aus gegebenem Anlass „Zu guater Stund a Liadl", „Der Lindenbaum" und eine Ode an den weiß-blauen bayerischen Himmel. Da sich gerade Gäste aus Aigrefeuille in Velden aufhielten, brachten auch sie mit Chorleiter Jean Claude Devaux Lieder aus ihrer Heimat dar.

Bei Bedarf wird der „Brenninger-Rundgang" mit Führung einmal monatlich wiederholt.

Adresse / Kontakt

Telefon: 08742 288 - 34
Telefax: 08742 288 41
E-Mail: info (at) vg-velden (dot) de
Festrede von Publizist und Buchautor Wilfried Scharnagl

Der Publizist, Buchautor und persönliche Freund von Professor Georg Brenninger hat bei der Auftaktveranstaltung zum Brenninger-Jahr 2009 am 24. April  in Velden einen faszinierenden Vortrag über das Leben und Wirken des verstorbenen Künstlers gehalten

Mit seiner freundlichen Erlaubnis dürfen wir den Text in das Internet einstellen. Dafür herzlichen Dank.

Georg Brenninger - ein großes Leben, ein großes Werk

Ein Mensch wird nach seinem Tod danach gewogen, welche Spuren er in der Erinnerung seiner Mitmenschen, in deren Herzen und Köpfen hinterlässt. Bei Künstlern fallen diese Spuren noch einmal breiter und tiefer aus. Und besonders breit und tief sind sie bei dem Künstler, um den es heute geht. Mit seinem Werk in seiner Gesamtheit und jedem einzelnen seiner Werke hat Georg Brenninger Spuren hinterlassen, welche die Erinnerung an den Mann und sein Werk auch zwei Jahrzehnte nach seinem Tod lebendig gehalten haben und auch in der Zukunft lebendig halten werden. Dass der Markt Velden im Jahre seines hundertsten Geburtstages seines großen Sohnes Georg Brenninger gedenkt, ist nur eines von vielen Zeichen lebendiger Erinnerung an einen der größten Künstler, den Bayern und auch Niederbayern im letzten Jahrhundert hervorgebracht hat.

Auch wenn die Großstadt, die bayerische Landeshauptstadt München, sein Lebensraum, sein Kunstraum wurden und waren, Georg Brenninger hat seine niederbayerische Heimat, hat sein Velden geliebt. Wenn er darauf, auf seine Herkunft zu sprechen kam, fand er eine Sprache der Nähe, der Verbundenheit, der Liebe.  „Mein Geburtsort liegt in einem alten Bauernland. Es ist der Marktflecken Velden, an einem kleinen Fluss, der Vils, gelegen. Die nächsten größeren Städte sind Landshut und Passau. Die Gegend ist nicht so großartig wie die Alpen. Fruchtbare Äcker und Wiesen reihen sich an sanfte Hügel und weite Täler. Alte Bäume begleiten gewundene Straßen. Am bäuerlichen Lebensrhythmus hat sich bis heute dort wenig geändert. Aus uralten Zeiten ist ein gutes Wissen um die großen einfachen Dinge des Lebens erhalten geblieben, um Geburt und Tod, Jugend, Liebe und Alter" -  wer solche Worte für seine Heimat findet, hat diese Heimat geliebt.

Und das fruchtbare Land Niederbayern, über das Georg Brenninger geschrieben hat, ist etwas besonders. Es ist nicht nur fruchtbares Ackerland, es ist fruchtbar auch in seinem künstlerischen Ertrag. Und dies in besonderer Weise auch noch mit Blick auf die Kunst, die Brenningers Leben war und in der er es  zu großer, unbestrittener und gefeierter  Meisterschaft gebracht hat, auf die Bildhauerei. Wohl keine andere bayerische Region war im vergangenen Jahrhundert und bis in unser Jahrhundert hinein so reich mit großen Bildhauern gesegnet wie Niederbayern. Ich denke an Hans Wimmer aus Pfarrkirchen, an Fritz König aus Landshut, an Joseph Michael Neustifter, den Brenniger-Schüler aus Eggenfelden, an Karl Raidel aus Landshut, an den aus Pochermühle in der Gemeinde Lindberg im Bayerischen Wald stammenden und in einem kleinen oberbayerischen Dorf mit dem schönen Namen Sixtnitgern lebenden und arbeitenden Albert Krottenthaler - und vor allem an Georg Brenninger. In aller Individualität, bei mancherlei Gegensätzen und bei spannungsreichen Konkurrenzsituationen bilden doch diese und noch andere Namen dazu einen Strauß an künstlerischer Einmaligkeit und Qualität, auf den Niederbayern stolz sein kann. 

Der Tod Georg Brenningers, der sich am 13. November des vorigen Jahres zum zwanzigsten Male  jährte, fiel in eine mich persönlich tief bewegende Zeit. Knapp sechs Wochen vorher, am 3. Oktober 1988, war Franz Josef Strauß, der Bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende, gestorben, mit dem in nächster Nähe und großem Verrauen ein Vierteljahrhundert zusammenarbeiten zu dürfen die Kernzeit meines beruflichen Lebens war.  So schlug der Tod seine große Verbindung von einem herausragenden bayerischen Staatsmann zu einem herausragenden bayerischen Künstler.  Strauß hat Professor Brenninger, wie ich aus vielen Gesprächen weiß, außerordentlich geschätzt. Und noch eine Verbindung gibt es zwischen den beiden: In seiner ersten Regierungserklärung im Herbst 1978 kündigte Ministerpräsident Strauß an, er wolle den im 19. Jahrhundert von Bayerns König Maximilian II. gestifteten Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst wieder ins Leben  rufen - als Bekenntnis zur ununterbrochenen weiterlebenden Geschichte des bayerischen Staates und Volkes, als Anerkennung des hohen Ranges, den Wissenschaft und Kunst für das Selbstbewusstsein dieses Staates haben und als Würdigung hervorragender persönlicher Leistung. Als Ministerpräsident Franz Josef Strauß im Dezember 1981 im festlichen Rahmen der Grünen Galerie der Münchner Residenz zum ersten Mal den Maximiliansorden verlieh, war Georg Brenninger, sowieso schon mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet, unter den ersten Trägern dieser bedeutendsten Ehrung, die der Freistaat Bayern vergeben kann.

Theo Waigel, der heute Abend gerne hier gewesen wäre und der mich eindringlich gebeten hat, Sie alle herzlich zu grüßen, war Georg Brenninger in besonderer Nähe verbunden. Immer wieder besuchte der Politiker den Künstler in seinem Atelier. Trotz der gegensätzlichen Naturen, die hier aufeinander trafen, der bedächtige Schwabe auf der einen, der eruptive Niederbayer auf der anderen Seite, gab es bei allen hitzigen Debatten über Gott und die Welt eine große Fülle an Gemeinsamkeiten, ein Verstehen im Grundsätzlichen. Wer immer Theo Waigel zu Hause besucht, dem wird voller Stolz und Besitzerstolz Brenningers kleiner Bauernbub gezeigt - und nie der Hinweis vergessen, dass dieses Kunstwerk zu seinen wichtigsten Besitztümern gehöre. Und als Georg Brenninger im November 1988 in seinem Velden zu Grabe getragen wurde, in strömendem Regen, war Theo Waigel dabei - obwohl der nächste Tag ein besonders wichtiges und intensive Vorbereitung erforderndes Datum in seinem Leben war - an diesem Novembertag wurde Waigel als Nachfolger von Franz Josef Strauß zum Vorsitzenden der Christlich-Sozialen Union gewählt.

Die engen Beziehungen zu Theo Waigel, die bei und nach einer Begegnung in Thannhausen entstanden, stehen beispielhaft für eine besondere Gabe, über die Georg Brenninger in reichem Maße verfügte, über das Talent zur Freundschaft. Mit offenen Augen und offenem Herzen ging er durch die Welt, stets bereit, neue Fenster zu öffnen, neuen Menschen zu begegnen. Diese Offenheit hat ihn auch nicht im Alter verlassen, als er in München längst zum Grandseigneur der Künstler im allgemeinen und der Bildhauer im besonderen geworden war. Wie lebendig und sprudelnd, wie fröhlich und lautstark und auch wie streitbar sich diese Freundschaft zu artikulieren pflegte, habe ich über viele Jahre hin und immer wieder  aus nächster Nähe erleben und beobachten können. Wie Brenninger und Freunde waren auch meine Frau und ich, auch unsere Tochter, Stammgäste in der traditionsreichen „Osteria Italiana" in der Münchner Schellingstraße - wir sind es immer noch. Wenn Georg Brenninger da war, so geschah dies mit einer raumgreifenden Präsenz. Ihn kannten alle, er kannte viele. Die Themen, über die sachkundig und leidenschaftlich zu diskutieren war, und keineswegs nur solche aus der Kunst, waren in ihrer Vielfalt unbegrenzt.  Und war ein Zeitgenosse dem streitbaren Professor unangenehm aufgefallen, fehlte es zu dessen  Qualifizierung nicht an kräftigen und deftigen Worten. Am intolerantesten schien mir Brenninger  immer gegen Dummheiten und Dummköpfe zu sein - eine Eigenschaft, der ich durchaus ein hohes Maß an Sympathie entgegenbringe. Brenningers innere Kraft, die ihn zu seiner Kunst befähigte, spiegelte sich nach außen in einer kraftvollen Statur, in sprühender Lebendigkeit. Weil er begeistert war, wusste er zu begeistern. Sein Einfallsreichtum schien unbegrenzt. Sie war der künstlerische Fundus, aus dem er sein Leben lang zu schöpfen wusste. Er demonstrierte barocken Überschwang, liebte das Exzentrische und war dennoch geprägt von einer tiefen bayerischen Verwurzelung. Die Verbindung zur Heimat und zu Velden hat er nie abreißen lassen, er kam heim zur Jagd, er kam immer wieder, um Jugendfreunde zu treffen.

Als Georg Brenninger, Sohn eines Maurermeisters und nach abgeschlossener Lehre und abgelegter Prüfung selbst Maurergeselle, 19jährig in die Landeshauptstadt München aufbrach, bewegte er sich in der Richtung und in der Tradition großer bayerischer Künstler, die sich Jahrzehnte vor ihm auf diesen Weg gemacht hatten. Zwei solcher Namen möchte ich nennen - Franz von Lenbach, der, ebenfalls Sohn eines Maurermeisters, von Schrobenhausen zu Fuß und barfuß nach München wanderte, um dort zum glanzvollen Malerfürsten zu werden, und an Franz von Stuck, der vom niederbayerischen Tettenweis aufbrach, um in der bayerischen Metropole als Maler und Bildhauer zu Ruhm und Ansehen zu kommen.

Im gleichen Jahr, in dem Franz von Stuck starb, 1928, kam Georg Brenninger nach München und bezog die Baugewerbeschule. Nebenher fertigte er Grabmäler für den heimatlichenFriedhof, um die durch die Krankheit des Vaters in Not geratene Familie zu unterstützen.  Brenninger war stolz auf seine Herkunft, auf den väterlichen Beruf. Was er dazu formuliert hat, hat einen selbstbewussten Klang: „Mein Vater war Maurermeister. Er baute vorwiegend Bauernhöfe. Auch ich begann als Maurer und wurde sein Gehilfe. Durch das Bauhandwerk kam ich zur Bildhauerei."

Georg Brenninger wäre nicht der dynamische, seine Grenzen stets erprobende Mensch gewesen, der er war, wenn er seine Bildung und Ausbildung mit dem Besuch der Baugewerbeschule abgeschlossen hätte. Er studierte von 1930 bis 1932 Architektur bei Professor Theodor Fischer an der Technischen Universität München. Seinem Professor fiel das starke plastische Talent des 20-Jährigen auf und er beauftragte ihn, die vier Evangelisten über dem Kirchenportal der evangelischen Kirche in Gauting in Stein zu hauen. Die Pforte zum Kern und Wesen von Brenningers Leben und Werk als Bildhauer war damit aufgestoßen.

So war der nächste Schritt nur folgerichtig, geradezu zwangsläufig. Brenninger wechselte, getrieben von seinem drängenden bildhauerischen Talent, an die Akademie der Bildenden Künste. Professor Hermann Hahn, der aus der klassischen Schule des großen Adolf von Hildebrand kam, wurde sein bestimmender und prägender Lehrer, den er sein Leben lang in Ehren hielt.

Was Brenninger an der Akademie lernte, war wichtig, noch wichtiger aber das gewaltige, zu künstlerischer Verwirklichung drängende Talent, das er in sich trug und mitbrachte. So entstanden schon in jungen Jahren Werke, die eine unverwechselbare Handschrift zeigten. Hinter dem Äußeren sah Brenninger das Innere der Menschen und machte es sichtbar. So schuf er in den dreißiger Jahren - das Thema Mutter hat Brenninger über viele Jahre hin beschäftigt - die bewegende Plastik „Meine Mutter". Im Ehrenhain für die gefallenen Soldaten auf dem Friedhof im schwäbischen Thannhausen fand Jahre später inmitten der steinernen Kreuze mit den Namen der Gefallenen  diese Figur einer müden, alten und  trauernden Frau ihre ergreifende Vollendung. Als wir vor einigen Tagen im Regen vor diesem Werk standen, verstanden wir mit aller Tiefe der Empfindung, warum diese Gestalt über die Zeit hinweg ihre bewegende Gültigkeit haben wird. In der Frühzeit seines Schaffens entstand aber auch, lebensfrohes und heiteres Gegenstück, der Bauernbub - ein niederbayerisches Kind, wie es Brenninger selbst war - stabil, mutig, selbstbewusst, vielleicht auch ein wenig trotzig.

Georg Brenninger traf wie Millionen Angehöriger seiner Generation das verhängnisvolle Schicksal des 20. Jahrhunderts. 1939 begann für ihn der Krieg, der 1943 mit einer schweren Verwundung in Russland endete. Jahrelang hat er an  den Folgen der schweren Verletzungen zu leiden und mit ihnen zu kämpfen. Aber Georg Brenninger wäre nicht der gewesen, der er war, wenn er sich in der Katastrophe der Nachkriegszeit der Resignation oder gar der Verzweiflung hingegeben hätte. Im Gegenteil, als ob die verlorenen und schweren Jahre des Krieges die künstlerische Kreativität befördert und neue Kräfte freigesetzt hätten, packte Brenninger an - auch hier übrigens im Gleichklang mit den Angehörigen der Kriegsgeneration, die sich an den Wiederaufbau machte und von der in unserer Zeit allzu oft anzutreffenden Jammerei und Weinerlichkeit geradezu Lichtjahre entfernt war. Gemeinsam mit Bildhauerkollegen wie Josef Henselmann, Ludwig Kaspar, Anton Hiller, Heinz Kirchner, Felix Wrampe und Toni Stadler erneuerte Georg Brenninger die „Münchner Schule" der Bildhauerei, die ihre Stärke und Orientierung aus den Urelementen der plastischen Kunst mit ihren statuarisch klassischen Formen der Skulpturen gewann.

Was Georg Brenninger als Künstler vermochte, was ihn ausmachte, was seine Unverwechselbarkeit bestimmte, verstand er auch als Lehrer weiterzugeben. In zwei herausragenden akademischen Ämtern bestimmte er über einen Zeitraum von mehr als einer menschlichen Generation das künstlerische Lehren und Leben in München. Den Jahren als Professor für Plastik in Verbindung mit Architektur an der Technischen Universität München von 1947 an folgte von 1961 bis 1978 die Professur für Plastik an der Akademie der Bildenden Künste in der bayerischen Landeshauptstadt. Als Präsident steuerte er in den schwierigen Jahren 1968 und 1969 „seine" Akademie durch die Aufregungen und Unruhen dieser revolutionären Zeit.

Für die Qualität von Professor Georg Brenninger als Lehrer an den beiden Hochschulen spricht die Qualität seiner Schüler, die selbst zu angesehenen Architekten oder Bildhauern geworden sind. Der heute modisch und geläufig  gewordene Begriff vom „Fördern durch Fordern" wurde von Brenninger über Jahrzehnte im Umgang mit seinen Studenten in die Praxis umgesetzt. Weil er viel zu geben hatte, verlangte er auch viel. Und bei aller kameradschaftlich-umgänglichen Art war er bei der Vermittlung seiner künstlerischen Grundsätze, bei der Weitergabe seines Wissens und, soweit dies überhaupt möglich ist, seines Könnens unerbittlich. Brenninger mochte seine Kunst, den Umgang mit Stein und Bronze, er mochte aber auch die Menschen. Wenn er Menschen in seinen Sklpturen  formte und gestaltete, blickte er durch das Vordergründige, das Äußere hindurch, er sah nach innen und machte es in seinen Werken sichtbar.

Bei aller Lebensfreude, die ihn erfüllte und die ihn stets zum Mittelpunkt froher geselliger Runden werden ließ, war Brenninger ein Mann von größtem Fleiß. Was in ihm steckte, an Talent, an Willen und Können, wollte heraus, wollte Gestalt und Form gewinnen. Mit einer nie ermüdenden Vitalität ging er an jedes seiner Werke heran, jedes mal mit einer Begeisterung, die bis ins hohe Alter das Attribut jünglingshaft verdiente. Seine Phantasie war unerschöpflich, ließ ihn bei aller Klarheit seiner persönlichen Position in der Kunst immer wieder auch neue Wege gehen. Er konnte wie ein Besessener arbeiten. Um nur ein Beispiel zu nennen: 1962 nahm er an sechs bildhauerischen Preisausschreiben für öffentliche Monumente teil, von denen er, wahrlich ein Titan der Bildhauerei, fünf mit dem ersten Preis und dem Auftrag zur Ausführung gewann.

Ein reiches Werk musste weite Verbreitung finden. Zuerst gilt dies für München. Hier erregte er zunächst, was wichtig deshalb ist, weil ihn viele nur als Bildhauer kennen, als Architekt Aufsehen. Mit kühnem Schwung und dennoch mit dem Gefühl für das richtige Maß baute er am Maximiliansplatz das erste „Glashaus" der Nachkriegszeit, das Kithan-Haus.  In den Jahren 1953/54 entstand hier etwas für die damalige Zeit völlig Neues, eine durch die Verwendung von Glas optisch offene Fassade. Das Brenninger-Haus wurde, was ihm mit seinen Werken immer wieder passierte, zu einem Gegenstand heftiger öffentlicher  Diskussion. Längst gehört dieses Gebäude, 1998 unter Denkmalschutz gestellt, zu den repräsentativen Beispielen der Baukunst im München der fünfziger Jahre.  Kleiner in der Dimension, aber kaum weniger wichtig von seiner architektonischen Gewagtheit und Substanz her  ist das Wohnhaus mit Atelier, das sich Brenninger 1954/55 im Anschluss an den Akademiegarten in der Georgenstraße baute. Von größter Klarheit der Linienführung, geriet dieses kubusartige Gebäude ebenfalls zu einem gültigen  Architekturbeispiel der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts

Den architektonischen Marken- und Kennzeichen der Kunst von Georg Brenninger folgten über Jahre hin und immer wieder die bildhauerischen. Der Mann, der sich in viele Diskussionen über Aussehen, Gestaltung und Entwicklung Münchens einzumischen pflegte, setzte mit seinen Werken selbst mit großartiger Nachhaltigkeit seine eigenen künstlerischen Akzente. Eine Aufzählung aller dieser Werke ist nicht möglich. So seien die genannt, die mich  persönlich immer noch und immer wieder beeindrucken: Der Aluminium-Brunnen „Bergwelt" an der Königinstraße bei einem Zugang zum Englischen Garten, der rote Granitbrunnen vor der Obersten Baubehörde, der Taubenbrunnen in der Mauerkircherstraße, der Brunnen „Tränender Baum" im Hof des Sophie-Scholl-Gymnasiums, der Erdteile-Brunnen vor der Neuen Pinakothek und, das Münchner Stadtbild von allen Werken Georg Brenningers am meisten prägend, das Giebelfeld am Nationaltheater mit Apoll und den Musen. Wer immer auf dem Max-Josephs-Platz steht oder gar auf die Oper zugeht - er kommt an Brenninger und seinem künstlerischen Genie nicht vorbei.Brenningers Werke finden sich, dem Rang und der Bedeutung des Künstlers entsprechend, an vielen Plätzen und in vielen Museen der Welt. Ob in Frankfurt oder Zürich, in Sao Paulo oder Lyon, in Vilsbiburg oder Caracas, in Fulda oder New York, in Hamburg oder Brasilia - der Maurersohn aus Velden an der Vils hat seinen Weg gemacht, sein Werk hat seinen Weg genommen. 

Brenninger in Bayerns Hauptstadt München, Brenninger in der Welt, Brenninger vor allem und immer wieder  in seiner niederbayerischen  Heimat. Es ehrt Sie alle, die Sie heute abend hier sind und alle ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger, wie in Ihrem Ort der Begriff des Ehrenbürgers in die Tat umgesetzt und in vielfältiger Weise ins Bild gesetzt ist. Ob vor Jahren zum ersten oder vor wenigen Tagen, in der Karwoche,  zum letzten Mal - wann immer wir, meine Frau und ich, durch Velden gehen, sind wir aufs neue davon beeindruckt, wie hier ein Ort seinen großen Sohn in lebendiger und selbstverständlicher Erinnerung hält, wie das Gedenken an ihn wach bleibt, wie er geehrt und wie das Gedenken an ihn auch für die nachkommenden Generationen gesichert wird.  Hier ist nicht einer Ehrenbürger geworden, weil seine Geburtsurkunde den richtigen Ort ausweist, sondern weil er Zeit seines Lebens Mitglied seiner heimatlichen Gemeinde und Gemeinschaft geblieben ist und weil diese Gemeinschaft zwischen dem Markt Velden und seinem Ehrenbürger Georg Brenninger über den Tod hinaus Bestand hat.

Ich kann nicht das ganze reiche Erbe aufzählen, das sich aus dem Lebenswerk Georg Brenningers in Velden findet. Dennoch, wer durch Ihren Ort geht, ist erfüllt und stets aufs neue beeindruckt von dem, was dieser große Bildhauer geschaffen hat. Sie brauchen hier in Velden keine Sonderausstellung, um im 100. Geburtsjahr  in besonderer Weise an Georg Brenninger zu erinnern. Sie haben das Glück, mit dieser Sonderausstellung alle Tage eines Jahres leben zu können.

Ob das junge Mädchen mit der Taube, das in  seiner Kraft und Zärtlichkeit zugleich berührt, ob der gewaltige Apoll, vor dem selbst großgeratene Menschen klein werden und der ohne Unterbrechung seinen Ort Velden ebenso preist wie den Künstler, der ihn geschaffen hat, ob der Petersbrunnen, der die Stabilität einer wuchtigen Form mit der Lebendigkeit des fließenden Wassers harmonisch in Einklang zu bringen vermag, ob die Säule mit den Tauben, die mit ihrer Klarheit und Einfachheit der Form Nachdenklichkeit zu wecken weiß und zur inneren Ruhe finden lässt, ob der Vilstaler Sängerbrunnen, der vor lauter niederbayerischer Lebensart und Lebensfreude sprudelt und geradezu überfließt, ob die zwei Schwestern, die beweisen, dass  Brenninger im Beherrschen der kleinen Form ebenso ein unübertroffener Meister war wie beim Umgang mit der großen Dimension, ob das Ensemble mit der Bergpredigt im Mittelpunkt, das jeden, der davor steht oder auch nur vorbeigeht, an die Grundbedingung guten menschlichen Zusammenlebens, an den Frieden, mahnt  - alles in allem: Man kann Georg Brenninger nur zu Velden und Velden nur zu Georg Brenninger  gratulieren.

Ich will - und damit komme ich zum Schluss -  nur noch einen Aspekt aus der großen Bandbreite von Brenningers Schaffen herausgreifen, den religiösen. Überblickt man das Ganze, dann war es kein Zufall, dass die vier Evangelisten über dem Portal der evangelischen Kirche in Gauting - nach Grabsteinen im heimatlichen Velden -  seine ersten Werke waren. Immer wieder stellte sich Brenninger der Herausforderung religiöser Themen. Schon 1957 entstand die gewaltige, 13 Meter hohe Altarwand in der Kirche von Söcking am Starnberger See, als er mit Kraft und Kühnheit das Johannes-Evangelium aus dem Tuffstein schlug und in den lateinischen Text hinein Szenen aus dem Leben Jesu gestaltete. In principio erat verbum et verbum erat apud deum et deus erat verbum - im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort: wer vor dieser Wand, vor diesem Monument des Glaubens steht, kann nicht unangesprochen bleiben. Immer wieder hat Brenninger sich der Bergpredigt zugewandt,  in vielfältiger Weise die Idee des Lehrenden und seiner Zuhörer durchdrungen.  Die Jünger am Ölberg wurden ihm ebenso zum Thema wie der junge Tobias mit seinem Schutzengel Raphael oder die „Himmlischen Heerscharen", die Brenningers Ruhm bis nach Brasilien getragen haben.

Am tiefsten bewegt hat mich aus dieser Welt des Glaubens immer wieder der in sich versunkene Betende, der am Grab von Georg Brenninger auf dem Friedhof in Velden seinen besten, seinen eindringlichsten, seinen würdigsten Platz gefunden hat. Wer ein solches Kunstwerk zu schaffen vermag, für den hatte der Tod nicht das letzte Wort.

Deshalb darf ich mit Blick auf ein großes Leben und ein großes Werk mit einem Satz schließen, den ich von Franz Josef Strauß oft gehört habe und der hierher und zu Georg Brenninger passt::  Dankbar rückwärts, mutig vorwärts, gläubig aufwärts.

Ich danke Ihnen.    

Wilfried Scharnagl

Eindrucksvolle Eröffnung des „Brenninger-Jahres“

Es war ein Abend von außergewöhnlicher Stimmigkeit, beschrieb Staatsminster a. D. Erwin Huber in seinem Schlusswort die Auftaktveranstaltung zum „Brenninger-Jahr 2009“ unter dem Motto „Heimatsohn und Künstlerfürst“

Es war ein Abend von besonderer Harmonie, der dem großartigen Schaffen des wohl berühmtesten Veldener Heimatsohns zur Ehre wurde und bei vielen Besuchern ein neues Bild von der herausragenden künstlerischen Größe Georg Brenningers erwachsen lies.

Brenningers persönlicher Freund, der Journalist und Politiker Wilfried Scharnagl nahm die Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch das Leben des Veldener Heimatsohns und stellte den außergewöhnlichen Umfang seines Schaffen sowie seine extrovertierte Persönlichkeit heraus. Sein Weg aus einfachsten Verhältnissen zu einem der anerkanntesten Künstler der Nachkriegsgeschichte war so außergewöhnlich und von einer Zielstrebigkeit gezeichnet, welche nur schwierig nachvollziehbar ist. Stand in der ersten Festrede die Person Brenningers im Mittelpunkt vermittelte die Doktorandin Beate Pohlus die künstlerische Entwicklung Georg Brenningers. Bereits als Schüler des berühmten Akademieprofessors Hermann Hahn prägte er seine eigene Stilrichtung die stets von klaren Linien und neuen Wegen im Kunstverständnis geprägt war.

Es folgte die Vorführung einer Sendung des Bayerischen Fernsehens aus den achtziger Jahren mit dem Titel „Leben und Wirken von Professor Georg Brenninger“ und die offizielle Eröffnung des „Brenninger-Jahres“ durch Schlussredner Staatsminister a. D. Erwin Huber.

Als nächstfolgende Veranstaltung im „Brenninger-Jahr 2009“ wird am Samstag, 23. Mai, 15 Uhr der Brenninger-Weg in Velden offiziell eröffnet. Der Markt Velden hat dazu eine Broschüre herausgegeben in der 33 Werke Georg Brenningers kurz beschrieben sind.

Georg Brenninger – sein Leben und Wirken (2009)

Velden ehrt den großen Bildhauer - Fast 200 Besucher bei Auftaktveranstaltung

„Wer durch Ihren Ort geht, ist erfüllt und stets aufs Neue beeindruckt von dem, was dieser große Bildhauer geschaffen hat. Sie haben das Glück, mit dieser Sonderausstellung alle Tage eines Jahres leben zu können“, sagte Wilfried Scharnagl in seiner Laudatio zum Auftakt des Brenninger-Jahres. In eindrucksvoller Weise schärfte er den Anwesenden den Blick für die Wertschätzung der Kunstwerke des großen Bildhauers.

Es könnte gut möglich sein, dass jetzt öfter mal Leute am Petersbrunnen genau beobachten, wie sich das Wasser seinen Weg entlang der kantigen Oberfläche sucht und dabei ganz verzückt dem Klang des Plätscherns lauschen. Oder dass so mancher am Apoll stehen bleibt und ergründet, wie die Figur dem gerade gezupften Ton der Saite nachhört. „In ihrer Abstraktion schenken Brenningers Werke dem Betrachter in besonderem Maße Raum zum Denken“, erklärte Beate Pohlus. In Auszügen aus ihrer jüngst fertig gestellten Doktorarbeit über Professor Georg Brenninger verstand sie es auf glänzende Weise, ihre eigene Begeisterung an das Publikum weiter zugeben. Anhand von Bildern bezog sie sich in wissenschaftlicher, aber verständlicher Weise auf bedeutende Werke des Künstlers und stellte sie in Vergleich zu seinen Bildhauerkollegen.

Der Markt Velden nahm die Feierlichkeiten um das Brenninger-Jahr zum Anlass einen Kulturrundgang zu den Werken des Bildhauers zu erstellen. Bürgermeister Gerhard Babl stellte nach der Begrüßung der Zeitzeugen und Ehrengäste, darunter Margarete Ammon – Gründerin gleichnamiger Stiftung und Verwalterin des künstlerischen Nachlasses von Georg Brenninger, das druckfrische Faltblatt dazu vor. Joseph Schuster, verantwortlich für die Organisation des Abends, moderierte durch das Programm.

Der Film des Bayerischen Rundfunks, gab lebendige Einblicke in das Leben und das künstlerische Wirken des Professors Brenninger. Darin spricht er als Siebzigjähriger von seiner Liebe zur Heimat und amüsiert sich in geselliger Runde mit seinen Jugendfreunden. Und Brenninger erklärt sich in hohem Alter als Künstler und Mensch. Er wirkt dabei unbedarft und widerspenstig, fast etwas lausbubenhaft, aber ehrlich und voller Demut.

Der kunstbeflissene Wilfried Scharnagl, Autor zahlreicher Bücher und von 1977 bis 2001 Chefredakteur des Bayernkurier, beeindruckte die Zuhörer Pfarrsaal zutiefst mit seiner charismatischen Festrede. Er kannte Georg Brenninger sehr gut und stellte seine Eigenheiten in wunderbarer Weise dar. Quicklebendig, sprudelnd, lautstark und streitbar sei er gewesen. In besonderem Maße habe ihn aber die Intoleranz gegen Dummheiten und Dummköpfe gekennzeichnet, sagte Scharnagl. Dies sei eine Eigenschaft, der auch er durchaus große Sympathie entgegenbringe, scherzte er. Größte Lebensfreude, größter Fleiß und eine nie ermüdende Vitalität und Begeisterung habe der Künstler in sich vereint. „Er liebte das Exzentrische und war dennoch geprägt von bayerischer Verwurzelung“. Dieses fruchtbare Land habe schon viele bedeutende Künstler hervorgebracht, Georg Brenninger sei im letzten Jahrhundert der größte Künstler Bayerns und Niederbayerns gewesen. „Mit seinem Werk in seiner Gesamtheit und in jedem einzelnen seiner Werke hat er Spuren hinterlassen, welche die Erinnerung an diesen Mann auch zwei Jahrzehnte nach seinem Tod lebendig gehalten haben und auch in der Zukunft lebendig halten werden“, sagte Scharnagl. Seine Werke finden sich unter anderem in Frankfurt, Hamburg, Vilsbiburg, New York, Caracas, Brasilia: „Der Maurersohn aus Velden hat seinen Weg gemacht“. Gerade in München, wo Brenninger lebte und arbeitete, finde man die Vielfältigkeit seiner Schaffenskraft, die er sich bis ins hohe Alter bewahrte, betonte Scharnagl. So das Kithan-Haus am Maximiliansplatz, es steht als erstes „Glashaus“ der Nachkriegszeit seit 1988 unter Denkmalschutz. In besonderer Weise prägt auch das Giebelfeld mit Apoll und den neun Musen am Nationaltheater das Stadtbild.

Für ihn persönlich fiel der Tod Georg Brenningers am 13. November 1988 in eine tief bewegende Zeit, weil einige Wochen zuvor mit dem Bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß einer seiner engsten Vertrauten gestorben war, sagte Scharnagl. Auch Strauß habe Professor Brenninger sehr geschätzt und ihm 1981 mit dem Maximiliansorden die bedeutendste Ehrung des Freistaates verliehen. Und Theo Waigel zähle heute noch zu den großen Bewunderern des Bildhauers.

Bereits in seinen Anfängen seines Wirkens habe sich Georg Brenninger in außerordentlichem Maße der Herausforderung religiöser Themen gestellt, merkte Scharnagl an und nannte prägnante Beispiele wie die vier Evangelisten über dem Portal der evangelischen Kirche in Gauting. Schon 1957 entstand die gewaltige, 13 Meter hohe Altarwand in der Kirche von Söcking am Starnberger See, als er mit Kraft und Kühnheit das Johannesevangelium aus dem Tuffstein schlug und in den lateinischen Text hinein Szenen aus dem Leben Jesu gestaltete: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“.

„Das Brenninger-Jahr in Velden ist hiermit eröffnet“: Landtagsabgeordneter Erwin Huber lobte im Namen aller Kunstfreunde den würdigen Auftakt. Er nannte Scharnagls Darstellungen ein Kunstwerk in sich und regte an, diesen Vortrag in Form einer Festschrift als Hommage an Georg Brenninger zu verewigen.

Text: Irmgard Rampp

Veröffentlichungen über Georg Brenninger - sein Leben und Wirken

Von busigen Hügeln und Engeln

Er verehrte die Natur und setzte seine Beobachtungen um in seinem künstlerischen Schaffen. Die Natur war der Atem, das A und 0 für sein Gefühl. Fliegende Möwen wurden bei ihm zu einer Vision von Engeln, wieder Fliegende, und die Vision manifestierte sich dann in der plastischen Darstellung einer Engelsskulptur.

Die menschliche Figur war für ihn der Kosmos, der Mittelpunkt. Er beobachtete einen Bach, der sich seinen Weg durch eine Wiese sucht, oder er empfand die Großartigkeit der Schneeschmelze in den Alpen. Der Schnee schmilzt und das Wasser begibt sich leise, fast stäubend, irgendwie nach unten. Daraus ist seine Brunnenidee entstanden: „Selbst die größte Abstraktion hat kein Leben, wenn nicht die Natur spürbar ist."

Zwei Brunnen stehen im Zentrum von Velden. Am Marktplatz der Petersbrunnen: Aus einer Felsformation sprudelt lebendiges Wasser in Kaskaden. Ein Symbol für Petrus den Felsen, den Kirchenpatron Veldens. Der andere, der träumerische Sängerbrunnen, ist den Sängern des Vilstales gewidmet. Alle Städte des Vilstales, die den Gesang pflegen, sind in die hohe Säule mit den neun Musen eingraviert, dazu der Spruch: „Die Heimat lässt ihr Lied nicht verklingen." Georg Brenninger wollte den Chören dieser Gegend ein Denkmal setzen. Ebenfalls symbolhaft für die Musik und für alle Künste thront am Marktplatz, in sich ruhend, die riesige Gestalt des Apollo, in Bronze gegossen. Das aus Stein gehauene Original dieses sieghaften Apolls schuf Brenninger für das Giebelfeld des Münchner Nationaltheaters, wo der Apoll gemeinsam mit den neun Musen das traditionsreiche Gebäude schmückt. Den Bronzeguss des Apollo wollte das Olympische Komitee für das Olympiagelände in München, um die Sieger darin einzugravieren. Der Künstler verfügte, dass diese Figur in seiner Heimat Velden aufgestellt wird.

Der berühmt gewordene Professor Brenninger hat Velden immer wieder an seinem Erfolg teilhaben lassen. Sämtliche Modelle seiner Werke hat er der Heimat vermacht. Wenn er zurückkam und alte Freunde traf, gingen die Gedanken oft zurück in die Zeit, als er noch der junge Brenninger Schorschi, nämlich ein armer Hund, gewesen ist. Es war keine Schande für ihn, im Gegenteil, er war stolz, dass er alles aus dem Nichts geschaffen hat. Einmal hat ihn ein Fotograf aufgenommen, wie er als kleiner Bub allein nachsitzen musste, ein stimmungsvolles, trauriges Foto. „Aber nicht weil ich nichts lernen wollte, sondern weil ich rauflustig war, ein Raufer!", erzählte er später, und dass zu jenen Zeiten oft noch das Faustrecht die offizielle Gerichtsbarkeit ersetzte.

Sein Vater war Maurermeister, und weil er ständig krank war, lebte die Familie in großer Armut. Gerade die Armut, in der er aufwuchs, war der Antrieb für Georg Brenninger. Um durchzukommen, hat er mit seinen Freunden alles mögliche gemacht, auch über die Grenzen der Legalität hinaus, sei es „Eier abtragen" oder verbotenes Kirschenpflücken. Als Musiker verdienten sie ein wenig Geld auf Hochzeiten, und sie würzten sich das karge Leben mit deftigen Streichen und Scherzen. Auf einer Hochzeit stank es fürchterlich, die Musiker spielten immer weiter, jeder schaute vorwurfsvoll, bis der Schorsch merkte, dass seine Kameraden ihm ein altes Stück Backsteinkäse unter den Kinnhalter seiner Geige getan hatten.

Georg Brenninger wurde wie sein Vater Maurer. Irgendwann begann er, Grabsteine für den Friedhof in Velden anzufertigen, allerdings ohne Erfolg. „Des Glump verschandelt unsern Friedhof!", bekam er zu hören. Aber bei dieser kreativen Arbeit an den Grabsteinen spürte er, dass das sein Metier war, das figürliche Gestalten, der Umgang mit der plastischen Form. Er wollte in München studieren, um Architekt und Bildhauer zu werden. Eine Bilderbuchkarriere hatte ihren Anfang genommen.

Einer seiner Lehrer an der Münchner Akademie, Hermann Hahn, sagte ihm, dass die Plastik versteinerte Ruhe sei. Und eine elementare, vielleicht sogar sakrale Ruhe zeichnet fast alle Werke Brenningers aus, eine Ruhe, aus der die stille Bewegung her auswächst, als Form und Gestalt, vor allem auch bei seinen späteren abstrakten Arbeiten, wie der Bergpredigt auf dem Kirchplatz in Velden.

In Velden galt er zunächst als „Prophet im eigenen Lande" überhaupt nichts, und draußen in München, in der Welt kamen die Ehrungen: Professor an der Münchner Akademie der Bildenden Künste, Träger des Maximilianordens, Gewinner vieler Wettbewerbe. Wo immer er auch war, er blieb der Niederbayer aus Velden, seine Liebe galt der Heimat an dem kleinen Fluss Vils, und auch sein Frauenbild, das in seinem Leben eine ganz entscheidende Rolle gespielt hat, ist stark von der Heimat geprägt.

Die „niederbayerischen Luader"

Nicht die Damen vom Laufsteg, von der Mode, hatten es ihm angetan, sondern die Frau aus der Heimat, die unverwechselbare bäuerliche Anmut. Die Begegnung mit dem anderen Geschlecht ging sehr tief bei ihm. Wenn er dann so eine Frauengestalt erarbeitete, konnte sie für ihn schelmisch auch zum „niederbayrischen Luader" werden.

Die Armut seiner Jugendzeit hat er nie vergessen. Als wohlhabender Mann schenkte er jährlich den armen Veldenern eine bestimmte Summe und stiftete dem Markt fünfzigtausend DM. Mit den Zinserträgen soll den Armen geholfen werden.

An seinem 75. Geburtstag sprach Georg Brenninger vom Sensenmann, er spürte, wie er im Gebüsch bereits lauert. Trotzdem wollte er mit seiner urigen Kraft weiterarbeiten, „bis man ihm die Schaufel 'naufschlägt": Im November 1988 holte ihn der Sensenmann. Als er an einem regnerischen Tag beerdigt wurde, nahmen unzählige Freunde aus dem In- und Ausland Abschied von einem, den die Gegend hier geprägt hat und der seinerseits die Gegend prägte.

Brenninger war ein ganzer Mensch, alles war immer präsent, seine Phantasie, sein handwerkliches Geschick, seine Schwächen und Leidenschaften - beim Wetten auf der Rennbahn genauso wie auf der Jagd, beim Reiten und bei seiner unstillbaren Sehnsucht nach Frauen.

Auf seinem Grab steht seine Skulptur „Der Betende". Der Blick des betenden Mannes ist nach innen gerichtet. Er ruht in seinem inneren Zentrum und bekommt seine Kraft aus einer anderen Dimension. Diese Skulptur verkörpert vielleicht am reinsten das bildnerische Ideal Brenningers: „Das Ganze soll einheitlich sein und eine Sprache bekommen, die ein einziger Klang ist."

Autor: Karsten Welte, Eberspoint

Veldens loyaler Sohn

Eruptiver Exzentriker, sensibler Künstler: Der Bildhauer Georg Brenninger wäre heuer 100 Jahre alt geworden

Fragt man die Veldener, dann bekommt man allerhand zu hören über Georg Brenninger (1909-1988), den wohl prominentesten Ehrenbürger aus ihrer Mitte. Immer mit weißem Anzug und schwarzem Hut soll er aufgetreten sein, mit dicken Amischlitten übers Land gedüst, stets begleitet von steilen Zähnen in kurzen Röcken. Ein Angeber soll er gewesen sein, polternd, barock, exzentrisch. Als „eruptiven Niederbayern" betitelte ihn Wilfried Scharnagl anlässlich seiner Laudatio zum 100. Geburtstag. Aber auch ein feiner Lehrer sei er gewesen, erzählen ehemalige Weggefährten, der seine Studenten immer fair behandelt, uneigennützig unterstützt und für Arbeiten, die sie für ihn erledigten, anständig bezahlt habe. Eine ambivalente Persönlichkeit also, dieser  große Kunstprofessor aus Niederbayern, den der kleine Markt Velden mit einem „Brenninger-Jahr 2009" und zahlreichen, über das Jahr verteilten Feierlichkeiten ehrt.

Denn ungeachtet von all dem, was die Zeitzeugen über die Person Brenninger zu berichten wissen, hat der Bildhauer seinem Ort ein reiches künstlerisches Erbe hinterlassen und der Ort hat das Pfund erkannt, mit dem sich wuchern lässt. So wurde das „Brenninger-Freilichtmuseum Markt Velden" eröffnet, unter dem Titel „Bildhauer Georg Brenninger. Heimatsohn und Künstlerfürst" erschien ein reich bebildertes Büchlein über die verschiedenen Facetten im Werk des Künstlers und mit „Der Bildhauer Georg Brenninger" wird die soeben fertiggestellte Dissertation über den Künstler von Beate Pohlus veröffentlicht. Dazu gab es zahlreiche Veranstaltungen, Busfahrten zu seinen Werken in München und Umgebung, das „Professor Brenninger Memorial", ein Pferderennen zum Andenken an die Pferde- und Jagdbegeisterung des Künstlers, Gottesdienst und Gedenkakt mit Kranzniederlegung am Ehrengrab, öffentliche Filmvorführungen und Vorträge. Mit einem Benefizkonzert und einer Ausstellung in der Veldener Güterhalle soll das Gedächtnisjahr ausklingen. Ein eigener Arbeitskreis wurde in Velden für die Organisation des Brenninger-Gedächtnis-Jahres gegründet, in dem sich alle drei Bürgermeister, Vertreter der Fraktionen im Gemeinderat und Veldener Bürger für die Würdigung des Brenninger-Erbes engagieren und die peinliche Kampagne, die in Landshut jüngst um die durch einen Umbau nötig gewordene Versetzung von Fritz Koenigs „Großer Flora" stattfand, als kleinliche Farce deklassieren.

Professor für Bildhauerei an der Münchner Akademie

Um ein reiches Erbe geht es hier wie dort. Allein dreißig Werke aus der Hand und Werkstatt Brenningers finden sich in Velden, das damit - im Verhältnis zu seiner Größe - über eine ganz außergewöhnlich hohe Kunstwerkdichte verfügt und davon profitiert, dass Brenninger starke Wurzeln fühlte und seiner Heimat stets eng verbunden blieb. Sein Wohnort indes war schon früh München, wo der Künstler ein außerordentlich erfolgreiches Leben führte. Von 1948 bis 1965 war Brenninger Professor für Plastik in Verbindung mit Architektur an der Technischen Universität München und von 1961 bis 1978 Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München. Als solcher war er eingebettet in eine höchst namhafte Genealogie, die Münchner Bildhauerschule, die mit Adolf von Hildebrandts (1847-1921) viel beachteter Schrift „Das Problem der Form" (1893) zu Ende des 19. Jahrhunderts eine neue Ära der Bildhauerei in München einleitete. Mit seinem Wittelsbacherbrunnen am Lenbachplatz hatte Hildebrandt neue Maßstäbe gesetzt und eine Bresche für die moderne Bildhauerei geschlagen: nicht mehr der Gehalt, sondern die Gestalt, also die Form eines Bildwerks rückte in den Mittelpunkt des Interesses: ein Brückenschlag zur Abstraktion.

Hildebrandts Erbe wurde von der nachfolgenden Bildhauergeneration um Bernhard Bleeker (1881-1968) und Hermann Hahn (1868-1942) auf deren Schüler weitergegeben und prägte über vier Generationen die Bildnerei an der Münchner Akademie. Brenninger, selbst Hahn-Schüler, gehörte zu den bekanntesten Vertretern der klassischen Moderne in München, die ihre Stärke und Orientierung aus den Urelementen der plastischen Kunst mit ihren statuarisch klassischen Formen gewann. Zu seiner Generation, die die Münchner Schule der Bildhauerei erneuerte, gehörten auch Hans Wimmer (1907-1992) und Toni Stadler (1888-1982), Anton Hiller (1893-1985), Josef Henselmann (1898-1987), Heinrich Kirchner (1902-1984), Fritz Wrampe (1893-1934), Ludwig Kasper (1893-1945) und Priska von Martin (1912-1982). In der jüngsten Generation zählen Fritz Koenig (geb. 1924), Herbert Peters (1925-2006), Michael Croissant (1928-2002) und Wilhelm Uhlig (geb. 1930) zu den wichtigsten Vertretern dieser Schule, die erst nach einer Erneuerung des Kunstbegriffs durch die Mitglieder der Gruppen „Spur", „Wir" und „Geflecht" abgelöst wurde, in denen Künstler wie Lothar Fischer (1933-2004) und Hans Matthäus Bachmayer (geb. 1940) gegen konventionelle Vorstellungen der Kunst opponierten. Als Meisterschüler Georg Brenningers muss auch der derzeitige Präsident der Akademie der Bildenden Künste, Nikolaus Gerhart (geb. 1944) genannt werden, außerdem verweist Beate Pohlus in ihrem Buch auf Walter Grill (geb. 1937), Hubert Lang (geb. 1946), Peter Vögele (geb. 1949), Mac Kneißl (geb. 1938) und Michael Höllrigl (geb. 1936) als weitere erfolgreiche Bildhauer seiner Klasse.

Nicht eben geradlinig war der Weg Brenningers zu Münchens vielgerühmtem „letztem Künstlerfürsten", als den ihn die Süddeutsche Zeitung 1988 anlässlich seines Todes betrauerte. Als Sohn eines Maurermeisters begann auch Brenninger als Maurer und kam erst über die Architektur zur Bildhauerei. Von seinem architektonischen Fingerspitzengefühl zeugen einige Bauten, darunter das mittlerweile unter Denkmalschutz gestellte gläserne Kithanhaus (1953/54) mit seiner optisch völlig offenen gläsernen Fassade am Münchener Maximiliansplatz und der Kubus seines Atelierhauses (1954/55) in der Münchener Georgenstraße, dessen Garten direkt an die Akademie grenzt.

Doch berühmt wurde er als Bildhauer. Als Bekanntestes seiner Werke gilt das Figurenfries im unteren Giebelfeld des Münchener Nationaltheaters, das „Apoll und die neun Musen" (1964-1972) darstellt. Es ist zugleich eines seiner Umstrittensten. Während der obere Teil des Doppelgiebels des klassizistischen Gebäudes von den Bomben 1943 verschont geblieben und die Mosaikgestaltungen von Ludwig Schwanthaler erhalten geblieben waren, musste der Portikus mitsamt dem unteren Giebelfeld nach dem Krieg neu aufgebaut werden. In einem heftig umstrittenen Wettbewerb setzte sich Brenninger mit seiner monumentalen Skulpturengruppe durch. Die gegenständliche Form der Giebelgestaltung, die immerhin der größte Bildhauerauftrag nach dem Krieg im süddeutschen Raum war, schien seinen Gegnern so gar nicht in die späten sechziger Jahre zu passen. Eingeweiht 1972, rechtzeitig vor Beginn der olympischen Sommerspiele, rhythmisiert die Figurengruppe bis heute das Giebelfeld und prägt den Max-Joseph-Platz mit: Ein wuchtiger Apoll, der thronend auf seiner Lyra spielt, umgeben von den stehenden und sitzenden Musen aus Muschelkalk. Apoll gilt in dem von Friedrich Wilhelm Joseph Schelling aufgestellten und später durch Friedrich Nietzsche popularisierten Begriffspaar „apollinisch-dionysisch" als derjenige der beiden griechischen Götter, der Form und Ordnung repräsentiert im Gegensatz Dionysos, der für Rauschhaftigkeit und einen alle Formen sprengenden Schöpfungsdrang steht.

Leben und Werk Brenningers verweisen eher auf Letzteren, atmen zumindest die Ambivalenz des Götterpaares: Die monumental thronenden Götter im Münchener Giebelfeld einerseits, andererseits die straffe und ausgewogene Tektonik der Felsenbrunnen, bei denen die Strenge des Steins mit der lebendigen Kraft des Wassers eine fruchtbare Verbindung eingeht, daneben ausdrucksstarke, in ihrer sakralen Ruhe an Barlach orientierte Einzelfiguren wie „La Priére (das Gebet)" (1981) und die Trauernde Mutter (1953) auf dem Friedhof in Thannhausen,  dann wieder geometrisch-figürliche Formakkumulationen wie beim bronzenen „Gemini"-Brunnen (1974) und andererseits niedliche Täubchen, die auf Säulen und Balken ruhen.

Heimatgemeinde als schöpferisches Refugium 

Die Spuren dieses lebendigen Werks im öffentlichen Raum sind zahlreich. Neben dem Nationaltheater-Fries findet man in München eine Reihe von Brunnen: Den bronzenen „Kontinente-Brunnen" (1980) vor der Neuen Pinakothek in der Barerstraße etwa, den Felsenbrunnen (1963) aus Aluminium der Münchener Rückversicherung an der Königinstraße am Englischen Garten, den „Zehnflammigen Leuchter" aus rotem Granit vor der Obersten Baubehörde, gegenüber dem Haus der Kunst, sowie den „Tränenden Baum" (1961) aus Kupfer im Hof des Geschwister-Scholl-Gymnasiums und den bronzenen „Taubenbrunnen" (1980) in der Mauerkircherstraße.

Zu seinen schönsten Werken gehören die gegenstandsfernen wie die dreizehn Meter hohe Altarwand aus Tuffstein (1957) für die Söckinger Pfarrkirche, in die Brenninger den lateinischen Anfang des Johannesevangeliums  meißelte, nur karg durchbrochen von vier Szenen aus dem Leben Jesu. Sein Werkverzeichnis nennt darüberhinaus zahlreiche Arbeiten im öffentlichen Raum und in Sammlungen in Nürnberg, Stuttgart, Fulda und Hamburg, in Wien, Zürich und Lyon, in New York, Brasilia und Caracas - und eben viele in Thannhausen, Bonbruck und Velden, den Orten persönlicher Verbundenheit, denen er zahlreiche Werke geschenkt hat.

Seiner Heimatgemeinde muss er unendlich dankbar gewesen sein, sie war sein Rückzugsort und sein Inspirationsquell, im Schnitt zwei mal die Woche soll er hierher gekommen sein, um sich an den „busigen Hügeln" Niederbayerns, wie er selbst die geliebte Natur hier nannte, wieder aufzuladen. Seinen Geburtsort in dem alten Bauernland beschrieb er selbst: „Es ist der Marktflecken Velden, an einem kleinen Fluss, der Vils, gelegen. Die nächsten größeren Städte sind Landshut und Passau. Die Gegend ist nicht so großartig wie die der Alpen. Fruchtbare Äcker und Wiesen reihen sich an sanfte Hügel und weite Täler. Alte Bäume begleiten gewundene Straßen. Am bäuerlichen Lebensrhythmus hat sich bis heute dort wenig geändert. Aus uralten Zeiten ist ein gutes Wissen um die großen einfachen Dinge des Lebens erhalten geblieben, um Geburt und Tod, Jugend, Liebe und Alter." Brenninger und sein Werk gehören zu Velden, wie Velden zu Brenninger gehört. Sie haben sich gegenseitig bedingt und gegenseitig bereichert. Auch die Dankbarkeit dafür, so zeigt nicht zuletzt das würdige Bemühen um den Nachlass, ist gegenseitig.

Quelle: Bericht von Anke Humpeneder in den Ausgaben des Straubinger Tagblatts am 14. November 2009

Vom Maurerbub zum Künstlerfürst

Georg Brenninger war ein Original im besten Sinne des Wortes. In Velden an der Vils geboren und aufgewachsen, in München gelebt und gestorben. Bitterste Armut mit großen Entbehrungen, schicke Autos und Luxus. Krieg und Frieden, Zerstörung und Wiederaufbau. Bäuerliches Landleben, künstlerische Avantgarde der Großstadt. So facettenreich sein Leben verlief, genauso vielschichtig und gegensätzlich war sein Wesen.

„Münchens letzter Künstlerfürst ist tot", schrieb die Süddeutsche Zeitung im November 1988, als Georg Brenninger gestorben war.

Fast jedes Museum der Erde besitzt Werke dieses bedeutenden Künstlers. Ob New York, Wien oder München. Ob in Peru, in Brasilien oder der Schweiz. Viele Auszeichnungen und Ehrungen wurden dem Professor der Münchner Akademie der bildenden Künste für seine Lebenswerke zuteil. Das große Bundesverdienstkreuz, der Bayerische Verdienstorden und die ehrenvollste Auszeichnung für Kunst und Wissenschaft, die hierzulande vergeben werden kann, der Maximiliansorden.

In Vilsbiburg befindet sich seit 1960 an der Giebelseite der Maria Hilf Kirche Brenningers Relief „Christus am Ölberg". In New York und auf dem Hof des Maximilian von Montgelas-Gymnasiums steht seit langem seine Skulptur „Gemini". Ein wahres Freilichtmuseum aber, mit Kunstschätzen aus allen Schaffensperioden hat Georg Brenninger seinem Geburtsort Velden noch zu Lebzeiten hinterlassen. Unter anderem der monumentale Apoll vor dem Alten Rathaus, der Petersbrunnen, der Sängerbrunnen, die Bergpredigt am Mahnmal für den Frieden und die Eule an der Schule. Ihm zu Ehren ist hier eine Straße nach ihm benannt und er ist Ehrenbürger seines Heimatorts. Die Werke von Georg Brenninger haben sich eingefügt in das Ortsbild von Velden und sind dort mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden. Wären sie plötzlich nicht mehr da, würde eine große Leere entstehen. Wie die Gewohnheit an einen lieben Menschen, der erst fehlt, wenn er fort ist.

Ein Fixpunkt ist das alljährliche Veldener Brunnenfest. Die Kinder spielen und freuen sich am plätschernden Wasser des Petersbrunnen. So entsteht der Drang nach respektvoller Einsicht in das Leben und Wirken des Georg Brenninger. Dem Menschen, der die vielen Kunstschätze schuf, die Velden aufweisen kann.

Georg Brenninger ist am 18. Dezember 1909 in Velden geboren. Sein Vater Georg war Maurermeister, er baute und verkaufte Häuser. Bei ihm hat Georg Brenninger das Bauhandwerk von Grund auf gelernt und als Gehilfe mitgearbeitet. Von Anfang an wurde er Schorsch genannt und der Schorsch hat gelernt, zu zupacken und hart zu arbeiten. Er war von kräftiger Statur und groß gewachsen. Als der Vater krank wurde und nicht mehr arbeiten konnte, ist die Not groß geworden im Hause Brenninger. Viele Geschwister, viel Armut, viel Hunger. Der Schorsch hat ungewöhnliche Fantasie bewiesen, um sich am Unterhalt der Familie zu beteiligen. Unten an der Vils hat er Maulwürfe gefangen, ihnen das Fell abgezogen, es zum Trocknen aufgespannt und dann verkauft. Doch ein Wunsch reifte in ihm, der ihn nicht losließ. Er wollte raus aus der Armut. Raus aus diesem Leben, das eigentlich kein Leben war. Nach seiner Maurergesellenprüfung ging Georg Brenninger 1928 nach München auf die Gewerbeschule für Steinmetze. Mit ein paar gestrickten Socken seiner Mutter und fünf Mark in der Tasche. Sein Weg führte ihn aber in ein noch elenderes Leben, als es zu Hause war. Er suchte sich Gelegenheitsjobs, vorzugsweise mit Übernachtung. Im Wirtshaus „Alter Simpl" in Schwabing war er eine zeitlang für die Heizung verantwortlich und durfte im Keller übernachten. Hin und wieder lud ihn der Pfarrer von Nymphenburg zum Essen ein. Zu Fuß ging er hin, weil das Geld für die Straßenbahn fehlte und aß sich satt. Bis er endlich wieder in seiner armseligen Unterkunft angekommen war, hatte er schon wieder Hunger. Einmal war er zu Gast bei einem Münchner Stadtrat. Dort durfte er auf der Couch übernachten und stieß mit seinen langen Beinen im Schlaf eine Glasvitrine um. Die Folge war Hausverbot.

1930 begann Georg Brenninger als Gasthörer an der Technischen Universität Architektur zu studieren. Sein Professor wurde aufmerksam auf sein Talent und beauftragte ihn, die vier Evangelisten über dem Kirchenportal der protestantischen Kirche in Gauting in Stein zu hauen. Zwei Jahre später nahm in die schon damals berühmte Akademie der bildenden Künste als Student für Bildhauerei auf. In den Jahren darauf entfaltete sich seine künstlerische Kreativität. Er suchte die Darstellung der beseelten menschlichen Gestalt. Hier entstand auch die Plastik „Meine Mutter", eine sitzende, erschöpfte Frau mit gesenktem Blick und ruhigen, friedlichen Gesichtszügen. Ein Zeichen tief empfundener Ehre für seine Mutter.

Im 2. Weltkrieg verschlug es Georg Brenninger von 1939 bis 1942 an die Ostfront als Kriegsberichterstatter. Durch endlos stinkende Sümpfe mussten sie ziehen. Bei einer Fahrt durch das Gelände wurde der Chauffeur angeschossen, der Wagen kam ins Schleudern und kippte über eine Böschung. Schwer verletzt, mit Beckenbruch und Quetschungen war der Kriegsdienst für Georg Brenninger nun zu Ende. Doch noch viele Jahre litt er an den Folgen dieser Verletzungen. Er spielte Geige auf Hochzeiten und Gesellschaften, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

1943 lag München in Schutt und Asche. Als Meisterschüler lebte Brenninger in seinem Atelier in der Akademie der bildenden Künste. Das Gebäude war eine Ruine, die Fenster vernagelt. Frieren und hungern gehörte auch jetzt, wie seit jeher zu seinem täglichen Leben. Um die großen Schmerzen seiner Kriegsverletzung ertragen zu können, hat er tagelang auf einem Brett gelegen. In dieser Situation lernte er die junge, kunstbegeisterte Margarete Kieninger aus dem schwäbischen Thannhausen kennen, die er 1947 heiratete.

Nach der trostlos schweren Zeit des Krieges herrschte der unbändige Drang, das Leben wieder zu gestalten. Es war die Zeit des absoluten Neuanfangs, als wenn man nach Jahren aus dem Keller käme. Überschäumendes Leben machte sich breit und die grenzenlose Freiheit, das Unmögliche möglich zu machen. Als Professor für Plastik erhielt er 1946 einen Lehrauftrag an der Technischen Universität in München. Die Zeit war reif geworden für Professor Georg Brenninger. Jetzt entwickelte er seine Urkraft, sein Temperament, seinen Humor, seine Begeisterungsfähigkeit, seinen Stolz und sein Selbstbewusstsein.

Er war sehr involviert in die Pläne des Wiederaufbaus der Stadt München und in seine Arbeit in verschiedenen Gremien. Er führte die in alle Richtungen zerstreuten Künstler wieder zusammen und gründete die Künstlergruppe „Die neue Gruppe" und veranstaltete Künstlerwettbewerbe. Er organisierte Ausstellungen und gestaltete das künstlerisch Leben der Maler und Bildhauer. Mit großen Faschingsbällen im Haus der Kunst hat er auch wesentlich zur Wiederbelebung des Münchner Faschings beigetragen. Der Professor war bald eine geachtete, geehrte Persönlichkeit der Stadt. Er genoss sein neues Leben, den Wohlstand und sich durch seine imposante Erscheinung in Szene zu setzen. Zu seinen Markenzeichen gehörten von nun an große Autos, weiße Kleidung und der breitkrempige schwarze Hut. Der „Urhut", ein breitrandiger schwarzer Schlapphut stammt vom Großvater seiner Frau, den er immer wieder nachmachen ließ. Ein Hut, wie ihn sonst niemand trug. Bäuerlich und doch elegant. Zu seinen kostspieligen Leidenschaften zählten amerikanische Nobelkarossen, denen er gerne seine individuelle Note verlieh. So hat er zwei s-förmige chromblitzende Gelenke einer höfischen Kutsche an sein Coupe angebracht. Völlig nutzlos, doch sehr dekorativ.

Auf der Galopprennbahn war er Stammgast. „Wehe, er hat gewonnen", erzählen seine Freunde. Für den Professor selbst war es aufregend und spannend zugleich. „Wenn 18 Pferde starten", sage er, „dröhnt die Erde. Man fühlt sich eine Zeitlang vollkommen frei".

„Er war ein Angeber", sagt seine geschiedene Frau, „ein Lebemann und untauglich für die Ehe". „Nichts hat er anbrennen lassen, in keiner Weise", meint schmunzelnd sein Neffe. Die Folge war Scheidung. Doch danach fanden er und seine geschiedene Frau sich wieder neu und blieben bis zu seinem Tod freundschaftlich verbunden. Zeitlebens sprach er respektvoll von „seiner Frau". Georg Brenninger hat nicht wieder geheiratet.

1961 wurde er zum Professor für Plastik an der Akademie der bildenden Künste in München ernannt. 1968, im Jahr der Studentenrevolte war er Präsident dieser Institution.

Für seine Studenten war er ein einfühlsamer Verbesserer und Autorität zugleich.

Geselligkeit im kreise seiner Freunde schätzte der Professor sehr. Es wurde stundenlang geredet, diskutiert, gelacht und erzählt. Ob die Geschichten wahr oder frei erfunden waren, interessierte niemanden.

Die Natur beobachten, fotografieren und herumdenken, bevor es ans Gestalten geht, das waren die Grundprinzipien seiner künstlerischen Arbeit. Die Vögel beim Füttern, wie sie wegfliegen und wieder zurückkommen. Wie sie an frisch gepflügter Ackererde in Schwärmen nach Futter suchen. Es folgte ein Zusammenfügen von Beobachtung und Fantasie. So entstand das Werk „Himmlische Heerscharen", heute zu finden in München und Brasilia.

Die Schneeschmelze am St. Gotthart, wie das Wasser en Fels hinunter staubt, hat ihn zur Gestaltung des Brunnens am Rand des Englischen Gartens inspiriert. In all seinen Arbeiten steht die Huldigung an die Natur im Vordergrund. Die Tauben waren für ihn ein Symbol des Heiligen Geistes und des inneren Friedens.

„Er hat seine archaischen Urinstinkte nie verloren", erzählt Brenningers geschiedene Frau.

„Auf der Wiese konnte er erriechen, ob das Wetter so bleibt oder wechselt. Auch seine intuitive Menschenkenntnis hat sich oft bewahrheitet".

1964 gewann Brenninger den Wettbewerb für die Ausschreibung zur Gestaltung des Giebels des Nationaltheaters in München mit dem Motiv „Apoll, umgeben von neun Musen". Georg Brenninger begann, den Apoll in Bronze herzustellen, die Auftraggeben bestanden aber auf Stein. Dieser Apoll, ursprünglich als Mittelpunkt im Giebel des Münchner Nationaltheaters gedacht, schmückt nun den Platz vor dem Alten Rathaus in Velden. Die Anpassung und Unterordnung der Figuren in das klassizistische Gesamtbild des Münchner Theaterbaus, bei gleichzeitiger Verkörperung des damaligen Zeitgeistes. Diese Aufgabe wurde zur größten Herausforderung seiner künstlerischen Laufbahn. Anlässlich der Olympischen Spiele 1972 wurde dieses große Werk feierlich enthüllt.

Nach dem Stress und der Anstrengung dieses großen Unterfanges erleidete Georg Brenninger einen Herzinfarkt. Durch die erlebte Todesnähe entstand „La Priére", das Gebet. Eine Mönchsfigur, versunken in meditativer Demut und Schicksalsergebenheit. Dieses Werk schmückt heute das Grabmal des Professors in Velden. Im Friedhof von Velden findet man auch ein Frühwerk des Künstlers, die „Wieser-Mam". Eine viel Liebe und Güte ausstrahlende Mutterfigur in Stein mit einem Kind auf der Schulter.

Immer wieder zog es Georg Brenninger zurück an den Ort seiner Kindheit. Er bezeichnete es als Glück, in einer so großartigen, sinnlichen Landschaft geboren zu sein. Mit den herrlichen Wäldern und den „busigen" Hügeln. Trotz der Nobeless der Großstadt scheint er im tiefsten Herzen der bäuerlichen Lebensart seiner Heimat verbunden geblieben zu sein. Wie Franz Stefani vom Bayerischen Rundfunk in deiner Laudatio zum 75. Geburtstag von Georg Brenninger so schön formulierte: „....wenn er vor einem Feinschmeckerlokal oder am geliebten Tennisplatz seiner Nobelkarosse entsteigt, findet eine Verwandlung statt. Wenn er geht - er kann immer noch gehen wie ein Ackerbauer hinter seinem Pflug."

Georg Brenninger verstarb am 13. November 1988 in München. Seine geschiedene Frau verwaltet sein künstlerisches Erbe und zeigt sich für die Pflege des Nachlasses verantwortlich. In einer Dokumentation aus Archivmaterial, die anlässlich seines Todes vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wurde, sagt Georg Brenninger. „Es ist so viel Freud in mir, ans Leid mag ich nicht denken".

Verfasser: Irmgard Rampp, Velden im März 2006

Doktorarbeit von Beate Pohlus in Buchform erschienen

Die auch in Velden aus Vorträgen und Führungen bekannte Beate Pohlus hat über das Leben und künstlerische Wirken des Veldener Ehrenbürgers Professor Georg Brenninger eine Doktorarbeit geschrieben.

Diese überaus lesenswerte Arbeit ist in Buchform erschienen. Die Veröffentlichung kann bei der Buchhandlung "Buch am Markt" bezogen werden.

Das Georg-Brenninger-Freilichtmuseum

Brenninger's "Niederbayerisches Mädchen" vor Güterhalle Velden (2015)

Das Georg-Brenninger-Freilichtmuseum ist um eine Attraktion reicher: Bürgermeister Ludwig Greimel und Landrat Peter Dreier enthüllten am 24. April 2015 an der Güterhalle das „Niederbayerische Mädchen“, eine der letzten Skulpturen des 1988 verstorbenen Veldener Bildhauers

„Es war uns ein Anliegen, dem Mädchen wieder eine niederbayerische Heimat zu geben“, sagte Bürgermeister Greimel in seiner Ansprache. Die Bronzeskulptur habe sich lange in Münchener Privatbesitz befunden, bevor die Gemeinde Velden sie erworben und restauriert habe. An ihrem neuen Standort zwischen Vilstalradweg, Heimatmuseum und Musikverein werde die Figur nun „Gäste aus nah und fern begrüßen und nach Velden einladen“.

Professor Brenninger schuf das „Mädchen“ 1985, drei Jahre vor seinem Tod. Zu diesem Zeitpunkt war der gebürtige Veldener als Künstler längst national wie international bekannt, hatte jahrelang an der Akademie der Bildenden Künste in München gelehrt und ihr als Präsident vorgestanden. Doch auch als seine Skulpturen längst öffentliche Plätze und Museen in München und Übersee zierten, kehrte Brenninger immer wieder in seinen Heimatort an der Vils zurück und überließ der Gemeinde Velden schließlich viele seiner Werke. Begraben liegt Brenninger auf dem Veldener Friedhof, auf dem der 1909 geborene Maurersohn und Steinmetz seine Bildhauerkarriere begann.

Landrat Peter Dreier gratulierte dem Markt zu der Entscheidung, die Skulptur zu erwerben. Schon jetzt sei das Georg-Brenninger-Freilichtmuseum „eine außergewöhnliche kulturelle und touristische Attraktion“ und längst über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt. Mit dem „Niederbayerischen Mädchen“ laden jetzt 26 Brenninger-Skulpturen zu einem Spaziergang im Gemeindegebiet ein.

Seit dem „Brenninger-Jahr“ 2009 führt ein Rundweg auf den Spuren des Bildhauers von Skulptur zu Skulptur. Vom vier Meter hohen „Apoll“, einer bronzenen Version von Brenningers berühmter Giebelfigur für das Münchener Nationaltheater, bis zu zierlichen Vogelskulpturen und dem abstrakt-felsenhaften „Petersbrunnen“ am Marktplatz können Kunstfreunde hier die ganze Vielfalt des Brenninger’schen Werkes kennenlernen.

Figürliches Spätwerk

Nach der Enthüllung gelang es Kunsthistorikerin Dr. Beate Pohlus in einem Vortrag, das Niederbayerische Mädchen“ in dieses Gesamtwerk einzuordnen. Pohlus, selbst Bildhauerin, zeigte sich „fasziniert vom Werk Brenningers“. Die stark reduzierte Frauenfigur aus polierter Bronze sei beispielhaft dafür, wie Brenninger – von Kennern seiner Felsenbrunnen scherzhaft auch „Professor Brunninger“ genannt – nach seiner kubischen Schaffensphase zu figürlichen Arbeiten zurückgekehrt sei. Wie ein Architekt habe er seine Figuren aufgebaut, diese seien „berührend durch ihre Schlichtheit.“

Im vollbesetzten Innenraum des Güterbahnhofs zeigte Pohlus Parallelen der Figur zu archaischen Darstellungen und zu Werken von Brenningers Lehrern und Bildhauerkollegen auf. Die strengen Konturen des „Niederbayerischen Mädchens“ sind dabei Beweis dafür, wie es Brenninger gelang, „den Charme des Mädchens mit klaren Kanten zu vereinen“.

Geht es nach Bürgermeister Greimel, dann war dies nicht die letzte Enthüllung einer Brenninger-Skulptur in Velden. „Es wird immer schwieriger, an weitere Werke Brenningers zu kommen“, sagte er auf Nachfrage. „Aber wenn sich eine Gelegenheit bietet, werden wir sie ergreifen.“

Quelle: Bericht der Vilsbiburger Zeitung - Lokalteil Velden Velden 28. April 2015

 

Gedenktafel am Schuberteck erinnert an Professor Georg Brenninger

Genius loci - der Geist des Ortes - Diese Worte zieren eine Gedenktafel an das Geburtshaus von Georg Brenninger, die an seinem 22. Todestag am 13. November 2011 am Schuberteck aufgestellt wurde

„Es ist unser aller Verpflichtung, die Erinnerung an Menschen, die viel für unsere Heimat getan haben, wach zu halten und an die kommenden Generationen weiterzugeben. Dieses Denkmal ist nicht nur eine Würdigung des großen Schaffens des Bildhauers Professor Georg Brenninger, es ist auch ein Zeichen der Ehrschätzung des Marktes Velden für seinen Heimatsohn.", so Landrat Josef Eppeneder bei der Enthüllung der Ehrentafel.

Mehr als 100 Gäste fanden sich am sonnigen Sonntagnachmittag am Schuberteck nahe dem Geburtshaus Brenningers ein, um die Enthüllung des Denkmals zu verfolgen. Taggenau am 22. Todestag Brenningers begrüßte Heimatvereinsvorsitzender Wendelin Bless die zahlreichen Gäste und brachte den Lebensweg und die große Schaffenskraft Brenningers nochmals eindrücklich in Erinnerung. Musikalisch wurde die Enthüllung von der Tanzhausmusik unter der Leitung von Ingrid Gerbl stilvoll umrahmt.

Friederike Lehle, der Vorsitzende der Ammon-Stiftung als Nachlassverwaltung des Schaffens des Veldener Bildhauers Brenningers wurde die Ehre zu Teil, die Tafel zu enthüllen. Mit den besten Grüßen von Magarete Ammon dankte sie den engagierten Veldenern, allen voran dem zweiten Vorsitzenden des Heimatvereins Joseph Schuster sowie dem örtlichen Bauunternehmer Josef Hübl für ihre Tatkraft, im Sinne der Stiftung. Die Tafel wurde von dem Steinmetz und Bildhauer Alexander Ossner erstellt. Als Zeichen der Anerkennung für die Pflege des künstlerischen Erbes des Bildhauers Professor Georg Brenninger durch den Veldener Brenninger-Freundeskreis bot Friederike Lehle im Namen der Ammon-Stiftung die einmalige Möglichkeit, original Brenninger-Tauben aus einer limitierten Auflage zu erwerben. Als Ansprechpartner für Interessenten am Kauf einer original Bronzetaube steht Marktentwicklungsreferent Willi Reichvilser (Tel. 0170 9240682) zur Verfügung.

Die Bronzetafel mit dem Schriftzug „GENIUS LOCI - in Erinnerung an das Geburtshaus von Professor Georg Brenninger" wird von einer Bronzetaube geziert. So ist die Taube, ein Symbol des künstlerischen Schaffens Brenninger und als dessen inniger Wunsch nach Freundschaft und Frieden in der Welt zu verstehen.

Quelle: Pressebericht von Stefan Schütze

Bildergalerie Brenninger-Freilichtmuseum