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Mehrheit im Marktrat für Förderanträge – Standortfrage für den Bikepark bleibt offen

von Redaktion

Es geht weiter mit den Planungen für einen Bikepark in der Marktgemeinde – zumindest grundsätzlich. Das ist das Ergebnis der mit viel Spannung erwarteten Sitzung des Marktgemeinderates am Mittwoch. Nachdem seitens der Gemeinde nämlich ein neuer Standort hinter der Tankstelle am Ortseingang ins Gespräch gebracht worden war, sollen zwei Förderanträge für das Projekt gestellt werden, aber teilweise ohne Festlegung auf einen Standort. Die Idee des Baus der Radfahrstrecke auf dem Freizeit- und Erholungsgelände hatte zuvor auch für Kritik gesorgt.

Wohl kaum ein kommunales Thema war in den vergangenen Wochen so intensiv diskutiert worden, wie die Idee der TSV-Abteilung Bergfreunde, im Freizeit- und Erholungsgelände in Velden-Viehweide einen Bikepark einzurichten. Dieser sollte aus einer Pumptrack bestehen (eine Rundfahrstrecke für praktisch alles, was rollen kann) und einem Bike-Trail (eine Geländestrecke vor allem für Mountainbikes). Die Meinungsunterschiede drehten sich dabei nicht so sehr darum, ob man eine solche Funsport-Einrichtung überhaupt braucht, sondern um die Frage, ob das Freizeitgelände dafür der passende Ort ist und ob die Gemeinde die Trägerschaft übernehmen und den Bau der Anlage damit finanzieren soll. Die spätere Betreuung wollen die Bergfreunde schultern.

Auf der Sitzung stellte im Auftrag der Bergfreunde Alexander Arpaci von der Firma Schneestern im Allgäu erste Vorüberlegungen für das Veldener Projekt vor. Das Unternehmen ist Spezialist für solche Arten von Freizeit- und Sporteinrichtungen. Für das Freizeitgelände wäre eine rund 400 Quadratmeter große Pumptrack-Anlage denkbar in einer Ausführung mit asphaltierter Strecke. „Meterhohe Asphaltberge muss man da nicht befürchten“, machte der Fachplaner hier gleich deutlich. Auf diesen Belag setze man vor allem, weil er wartungsfrei sei und mit allem benutzt werden kann, was Rollen hat. Der Biketrail würde kurvenreich über das Gelände geführt und auch den Monte Veldena einbeziehen. Insgesamt nannte Bürgermeister Ludwig Greimel hier später einen Flächenbedarf von rund 4000 Quadratmetern. Als Pluspunkt für das Areal sah der Planer die vorhandenen Bäume, die Schatten spenden. Man müsse also keine Fäll-Aktionen befürchten.

Auf Nachfragen aus der Marktratsrunde nannte Alexander Arpaci eine Baukosten-Prognose von rund 180 000 Euro netto für das Projekt im Freizeit- und Erholungsgelände – dazu kommen noch die Steuern.

50 oder 90 Prozent

Dazu meinte Bürgermeister Ludwig Greimel erläuternd, dass man derzeit über Annahmen bei dem Projekt nicht hinauskomme, das gelte auch für die Kosten. Gleichzeitig merkte er an, dass natürlich auch laufende Kosten beim Betrieb entstehen würden. Dabei sah der Bürgermeister ein Problem in Bezug auf die Abschätzbarkeit der Investitionssumme, die ja auf die Gemeinde zukommen würde, da diese die Trägerschaft für den Bikepark übernehm soll. „Wegen der Förderung müssten die Baukosten relativ genau angegeben werden, das gilt vor allem für das LEADER-Programm.“ Für dieses Programm werde landkreisweit am 22. September über die Vergabe von Fördergeldern entschieden, dabei seien 50 Prozent Förderung möglich. „Allerdings ist nicht sicher, dass Velden zum Zug kommt. Bei der Förderrunde wird wohl ein zweites Bikepark-Projekt im nördlichen Landkreis vorgestellt“, machte Greimel deutlich.

Vor diesem Hintergrund brachte er noch eine zweite Fördermöglichkeit ins Gespräch: Ein Sonderprogramm für Sportstättenbau, das im Zuge von Corona-Hilfsmaßnahmen aufgelegt worden ist. Dabei winken bis 90 Förderung, allerdings nur dann, wenn das Fördergebiet innerhalb des Areals der Städtebauförderung liegt oder zumindest angrenzt. Das würde für das Freizeitgelände nicht gelten, jedoch für ein Grundstück neben dem Schausteller-Stellplatz hinter der Aral-Tankstelle. Auch dieses Gelände mit rund 2800 Quadratmetern gehöre dem Markt, es verfüge ebenso wie das Freizeitgelände über nahe Parkplätze und sanitäre Einrichtungen – nämlich am Volksfestplatz. „Die Topographie ist natürlich nicht so abwechslungsreich wie am Freizeitgelände“, räumte Ludwig Greimel ein. Denkbar sei auf dieser Fläche eine größere Pumptrack, aber vermutlich ohne den Biketrail.

Seitens der Bergfreunde, für die zu Beginn Michael Schneider nochmals für das Projekt geworben hatte, sei man keineswegs nur auf einen Standort fixiert. „Die Standorte müssen aber gut durchdacht sein, von der Fläche hinter der Tankstelle sind wir nicht so überzeugt.“ In den Ausführungen Schneiders klang die Befürchtung durch, dass eine Pumptrack an dieser Stelle nicht so gut angenommen werde. Verhalten und zwischen den Zeilen war durchaus vernehmbar, dass man mit dem Alternativ-Standort seitens der Bergfreunde nicht ganz glücklich wäre und dann vielleicht lieber warten würde mit der Realisierung des Gesamtprojekts. Eine entsprechende Zusammenfassung der Sachlage durch Bürgermeister Greimel bejahte Schneider. In diesem Zusammenhang unterstrich Greimel, dass generell nur Standorte in Frage kämen, die im Besitz der Kommune sind, da mit einem Kauf weitere Kosten verbunden seien.

Rege Diskussion im Gremium

Rund um die Frage eines Ja oder Nein zur kommunalen Trägerschaft für das Bikepark-Projekt entwickelte sich am Mittwoch eine längere Debatte im Marktgemeinderat, die von den zahlreichen Zuschauern in der Turnhalle stellenweise mit Beifall oder Unmutsbekundungen begleitet wurde.

Als deutlichster Kritiker des Vorhabens erwies sich erneut Zweiter Bürgermeister Josef Tafelmeier. „Viele Bürger können und wollen nicht verstehen, warum die Bergfreunde dieses Projekt jetzt so vorantreiben. Es sind unsichere Zeiten, in denen es wichtig ist, sich auf notwendige Aufgaben zu konzentrieren. Davon gibt es genug“, betonte Tafelmeier. Er habe in seinen 30 Jahren als Kommunalpolitiker im Markt mehrere Jugendtreffs kommen und gehen sehen. Zur „Zerstörung“ des Freizeit- und Erholungsgeländes sage er nein. Steffi Hübl äußerte sich zudem skeptisch, ob die prognostizierten Kosten für den Park realistisch sind. Ludwig Höfelschweiger zählte als Aufgaben der nächsten Zeit den Breitbandausbau, die Kläranlage oder die Ausweisung von Bauland auf. „Reiche Gemeinden im Landkreis oder am Flughafen haben keine solchen Bikeparks – warum braucht dann Velden so etwas“, fragte er sich.

Markträtin Maria Fischer brach eine Lanze für den Alternativ-Standort hinter der Tankstelle, den sie für optimal halte, wie sie bekundete. Diana Reichvilser meinte, es wollen alle in der Gemeinde etwas für die Jugend tun. Mit diesem Projekt habe man die Gelegenheit dazu. „Es wäre wichtig, egal wo“, fügte sie an. Alexander Hetzel meinte, er finde die Sache gut, sie passe auch gut in das Freizeitgelände. Außerdem seien Kinder auf so einer Anlage deutlich besser aufgehoben, als wenn sie irgendwo in den Wäldern herumfahren würden. Katharina Nagl unterstrich die Bedeutung eines möglichen Bikeparks auch über den Markt hinaus: „Es wäre ja gut, wenn es auch einmal etwas für das Umland gibt, so dass zum Beispiel Leute aus Vilsbiburg oder Geisenhausen nach Velden kommen.

Es fand sich eine Mehrheit von 12: 7 Stimmen für den Beschlussvorschlag von Bürgermeister Greimel, zunächst bei beiden Förderstellen Anträge auf Finanzhilfen einzureichen und somit das Projekt weiter zu verfolgen. Bei der LEADER-Förderung soll der Antrag standortneutral gestellt werden, bei der Sportstätten-Förderung wird er für das Tankstellen-Areal gestellt. Ob das Projekt tatsächlich realisiert wird, dürfte von den Entscheidungen der Förderstellen sowie gegebenenfalls der Haltung der Bergfreunde zum Alternativ-Standort abhängen.

Quelle: Vilsbiburger Zeitung – Lokalteil Velden vom 18.09.2020

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