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Markt Velden lädt zum Weihnachtsspaziergang am Brenninger-Weg ein

von Franziska Höfelschweiger

Im Marktgemeinderat Velden ist man sich des künstlerischen Erbes des Heimatsohns Prof. Georg Brennigner durchaus bewusst. So wurden 2016 drei bedeutende Werke des Veldener Bildhauers angekauft, um den Brenninger-Weg attraktiver zu gestalten. Mit Unterstützung der Ammon-Stiftung, die mit der Pflege des künstlerischen Erbes Brenningers betraut ist, konnte Bürgermeister Ludwig Greimel und Kulturreferent im Gemeinderat Stefan Schütze ein Modell der beeindruckenden Altarwand in der St. Ulrich Kirche in Söcking sowie die beiden Plastiken „Die Schwimmerin“ und „Die Muse“ aus dem Besitz des Kunstsammlers Gottfried Kerscher, dem Bruder des Altbürgermeisters Josef Kerscher erwerben. Weiter bereichert ein Modell der Giebelgestaltung des Nationaltheaters in München mit „Apoll und den neun Musen“ im Maßstab 1:10, eine Schenkung von Magarete Ammon, die Brenninger-Kunstsammlung des Marktes Velden. Die bevorstehenden Weihnachtstage bieten sich ideal an, den außergewöhnlichen Kunstweg entlang von 30 Werken aus der Hand des Veldener Bildhauers zu erkunden. Ein Flyer mit Informationen zu den einzelnen Kunstwerken sowie zum Künstler liegt im Rathaus Velden auf.

Modell der Altarwand in Söcking

Die Altarwand in der St. Ulrich Pfarrkirche in Söcking bei Starnberg zählt zweifellos zu den beeindruckendsten Werken Brenningers. Zwischen 1956 und 1958 schuf der Veldener Bildhauer die 13 Meter hohe freistehende Reliefwand. Die Altarwand aus Huglfinger Tuffstein mit 32 Textzeilen in einer Breite von sechs Metern zeigt in eindrucksvoller Weise den Beginn des Johannes-Evangeliums. Ähnlich der Textgestaltung von mittelalterlichen Handschriften integriert die Text-Darstellung vier Reliefs: Christus mit dem Buch des Lebens, Jesus auf dem Esel beim Einzug in Jerusalem, Jesus auf dem See Genezareth mit den Jüngern in einem Boot sowie den taufenden Johannes. Das 1956 erstellte Modell aus Betonguss fand in der Aussegungshalle am Waldfriedhof in Velden einen würdigen Ort. Sowohl die Anlage des Waldfriedhofs als auch die Architektur der Aussegnungshalle stammen von Prof. Georg Brenninger.

Modell der Giebelgestaltung und Bronzeskulptur „Die Muse“

Nach den ersten Entwürfen 1963 gelang Prof. Georg Brenninger 1972 die Fertigstellung der Giebelgestaltung des Nationaltheaters in München als Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens. Die „Freunde des Nationaltheaters“ setzten sich in den Nachkriegsjahren für den Wiederaufbau des 1943 durch Sprengbomben zerstörten Gebäudes des Theaters am Max-Josef-Platz ein. Der Verein lobte 1963 unter sechs Bildhauern einen Wettbewerb zur skulpturalen Gestaltung des Giebelfrieses aus. Im ersten Wettbewerb-Durchgang waren Modelle im Maßstab 1:10 und 1:1 gefordert. Brenninger reichte dabei ein Modell der gesamten Gestaltung sowie Bronze-Modelle des Apolls sowie einer Muse in Echtgröße ein. Aufgrund der außergewöhnlichen Formensprache fiel nach einer zerreibenden Entscheidungsfindung 1969 die Auswahl auf den Bildhauer Georg Brenninger. Der Auftrag für die zehn bis zu fünf Meter großen Skulpturen erfolgte dann aber in der Ausführung mit Kalk-Stein. Im Olympia-Jahr 1972 wurde die Giebelgestaltung feierlich eingeweiht. Die fünf Meter hohe Bronzeausführung des Apolls schenkte Brennigner seiner Heimatgemeinde, dem Markt Velden. Die Bronzeplastik „Die Muse“ ging folglich in den Privatbesitz von Gottfried Kerscher und fand 43 Jahre später den Weg nach Velden. „Die Muse“ steht seit einem Jahr im Grünstreifen am Zugang zur Krippe in der Georg-Brenninger-Straße, nahe dem ehemaligen Wohnhaus mit Atelier des Bildhauers. Das Modell der gesamten Darstellung im Maßstab 1:10 schmückt das Sitzungszimmer im Veldener Rathaus.

Die Schwimmerin

„Die Schwimmerin“ zählt zu den gestalterisch herausragendsten Plastiken Brenningers. Unter dem Namen „Das stehende Mädchen“ ist eine wenige Zentimeter größere identisch gestaltete Figur in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München. Es ist anzunehmen, dass Brennigner die 150 Zentimeter hohe Figur des Mädchens 1936 schuf und sich dann nach seinem Einsatz im Zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1943 nochmals damit beschäftigte und die Variante mit Bademütze schuf. Die Plastik zeigt eine beeindruckende Darstellung einer Sportlerin, als stünde sie am Start zu einem Wettkampf.

Wie Bürgermeister Ludwig Greimel mit einem Seitenhieb auf die Stadt Landshut und den Umgang mit deren Ehrenbürger Fritz König bestätigt, ist man sich der großen künstlerischen Bedeutung des Nachlasses von Prof. Georg Brenninger durchaus bewusst und möchte die neuen Brenninger-Werke im Rahmen der Ortsentwicklung besser ins Ortsbild integrieren. Nicht zuletzt richtet sich bereits jetzt der Blick auf die 2023 bevorstehende 1250-Jahr-Feier des Marktes Velden, bei der man auch die Kunstwerke des Veldener Ehrenbürgers zeitgemäß in Verbindung mit aktueller Kunst neu präsentieren möchte.

Bilder:

GB_Modell-Giebelgestaltung: Die neun Modelle der Giebelgestaltung des Nationaltheaters im Sitzungszimmer im Veldener Rathaus.

GB_Nationaltheater_Probeaufstellung: Die historische Aufnahme zeigt die Aufstellung der Bronzeplastiken am Nationaltheater. Da sich die Vergabejury später für eine Ausführung in Stein entschied, fand dieser Bronzeguss des Apolls später seinen Weg nach Velden.

GB-Altarwand: Das Modell der Altarwand in der St. Ulrich Kirche in Söcking bei Starnberg schmückt die Aussegnungshalle am Waldfriedhof in Velden.

GB_Brunnenfigur_Klaffl: Prof. Georg Brenninger 1938 in seinem Atelier bei der Fertigstellung der Auftragsarbeit „Werden und Vergehen“. Die beiden Brunnenfiguren einer jungen Mutter sowie einer alternden Frau fanden am Friedhof in Velden ihren Platz. Links im Hintergrund die Plastik „Die Schwimmerin“. Das Bild stammt aus dem Archiv von Renate Weinberger, der Großnichte Brenningers.

GB_Die-Muse: Die Bronzeplastik „Die Muse“ einst für die Giebelgestaltung des Nationaltheaters geschaffen wurde 2016 am Zugang zur Krippe in der Georg-Brenninger-Straße aufgestellt.

GB_Die-Schwimmerin: Die 150 Zentimeter hohe Bronzeplastik „Die Schwimmerin“ hat nur vorrübergehend ihren Platz im Treppenhaus des Rathauses gefunden.

 

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