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Baumeister der Großgemeinde Velden

von Redaktion

Am 06. November ist im Alter von 86 Jahren der Veldener Altbürgermeister und Ehrenbürger Josef Kerscher verstorben. Vom 10. Oktober 1971 bis 30. April 1996 war er der erste Bürgermeister des Marktes Velden. In dieser Zeit hat er sich vor allem mit dem Ausbau der Infrastruktur und der Bildung der Großgemeinde Velden bei der Gebietsreform weit über seine Dienstzeit wirkende Verdienste erworben. Darüber hinaus war er ein großer Förderer der Vereine, weil er ein funktionierendes Gemeinschaftsleben als wichtige Keimzelle einer Gemeinde betrachtete.

Josef Kerscher wurde am 21. Dezember 1932 als drittes Kind der Eheleute Gottfried und Therese Kerscher in Velden geboren. Gemeinsam mit vier Geschwister wuchs er in einem guten Elternhaus auf. Nach dem Besuch der achtjährigen Volksschule lernte er bei seinem Vater das Schneiderhandwerk. 1951 traf ihn der Tod des Bruders Gottfried schwer, der bei einem Eisenbahnunglück verstarb.

1960 heiratete Josef Kerscher seine Ehefrau Roswitha, die im Jahr 1973 nach schwerer Krankheit verstarb. Als Witwer mit den zwei kleinen Söhnen Andreas und Thomas und neu im Amt als hauptamtlicher Bürgermeister war das für ein eine schwere Lebensphase. Mit seiner zweiten Ehefrau Christa schloss er 1975 den Bund für das Leben. Aus dieser Ehe stammen die Kinder Christian, Bettina, Susanne und Michael. Zur Familie gehören inzwischen acht Enkelkinder, die dem Opa viel Freude bereiteten. Josef Kerscher war ein Familienmensch und fürsorgender Vater. Trotz seiner vielen dienstlichen Termine und Verpflichtungen nahm er sich stets viel Zeit für seine Familie. Darüber hinaus war er ein begeisterter Gartenfreund. Zu seinen großen Leidenschaften zählten das Fotografieren und Filmen. Damit hat er die Ortsentwicklung von Velden seit den 50ger-Jahren festgehalten. Nach der Amtszeit als Bürgermeister setzte er sich im Jahr 1993 als Gründer und langjähriger erster Vorsitzender des Heimatvereins Velden sowie als Mitwirkender im Museumsverein „Velden – einst und jetzt“ weiter für seinen Heimatort ein. Aus der Öffentlichkeit hatte sich der Altbürgermeister in den vergangenen Jahren hauptsächlich bedingt durch den weitgehenden Hörverlust zurückgezogen. Bis auf einen kurzen Krankenhausaufenthalt vor seinem Tod verbrachte Josef Kerscher wohlumsorgt seinen Ruhestand im Kreis der geliebten Familie.

Im November 1951 begann seine hauptberufliche Laufbahn beim Markt Velden als Amts- und Kassenbote. Bald darauf wurde er zum hauptberuflichen Kassenverwalter bestellt und im Laufe der Jahre wurden ihm die die Aufgaben als Kämmerer und stellvertretender Standesbeamter übertragen. Nach dem Ausscheiden von Walter Schramm übernahm er im Dezember 1969 den verantwortungsvollen Posten als Geschäftsleiter der Gemeindeverwaltung. Am 10. Oktober 1971 wurde er als Nachfolger von Johann Reiter zum ersten Bürgermeister des Marktes Velden gewählt. In seiner fast 25-jährigen Amtszeit hat er mit großem persönlichem Engagement unter anderem die Ausweisung von Baugebieten, die Ansiedlung von Gewerbebetrieben mit Schaffung von Arbeitsplätzen sowie als größte Maßnahmen der Infrastruktur den Ausbau von Straßen, der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung verantwortet. In diese Ära fielen auch die mehrfache Erweiterung der Schule und der Kindergärten, der Neubau des Rathauses, die Errichtung des Bauhofs, des Wasserwerks, der Kläranlage, des Freizeit- und Erholungsgeländes sowie die umfassende Städtebausanierung im Veldener Ortszentrum.

Josef Kerscher war der Baumeister der heutigen Gemeinde Velden. Bei der Gebietsreform ist es durch sein integratives Wirken und Verhandlungsgeschick gelungen, aus den verschiedenen Gemeinden eine leistungsfähige Großgemeinde und eine funktionierende Verwaltungsgemeinschaft zu bilden. Wichtig war im stets die Förderung der Vereine und der christlichen Gemeinschaft als tragendes Element des gesellschaftlichen Lebens. Die unter seiner Regie durchgeführte 1200-Jahrfeier des Marktes Velden ist vielen Bürgerinnen und Bürgern noch in guter Erinnerung. Sie zählte zu den Höhepunkten seiner Amtszeit. Mit Elan hat Josef Kerscher die partnerschaftlichen Verbindungen des Marktes Velden mit Roana in Italien und Aigrefeuille in Frankreich mitgegründet und stets begleitet.

Für dieses berufliche und politische Lebenswerk wurde Josef Kerscher im Jahr 1996 vom Markt Velden zum Ehrenbürger und Altbürgermeister ernannt. Von 1972 bis 2002 gehörte er ununterbrochen dem Kreistag des Landkreises Landshut an. Dort war sein fachkundiger Rat immer gefragt. Über 25 Jahre wirkte er ehrenamtlich in den Gremien der damaligen Raiffeisenbank Velden. Im Jahr 1998 erhielt er für besondere Leistungen in der kommunalen Tätigkeit die Kommunale Verdienstmedaille in Bronze. Als besondere Auszeichnung wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Lange Zeit wirkte er im Pfarrgemeinderat und in der Kirchenverwaltung. In beiden Gremien war er über Jahre auch der Vorsitzende. Wichtig waren ihm über viele Jahre sein Dienst als Lektor bei den Gottesdiensten in der Veldener Pfarrkirche

Zahlreiche Nachrufe und die Präsenz von zahlreichen Fahnenabordnungen der Vereine zeigten die Wertschätzung und das überaus breitgefächerte verdienstvolle Wirken von Josef Kerscher für seinen Heimatort Velden auf. Bürgermeister Ludwig Greimel würdigte ihn als Baumeister des heutigen Velden. Landrat Peter Dreier ging auf eine 30-jährige Tätigkeit im Kreistag Landshut ein. Dabei war der Rat von Josef Kerscher geschätzt und er hat die Entwicklung des Landkreises an verantwortungsvoller Stelle mitgestaltet. Zu den Trauergästen gehörten auch Staatsminister und MdL a.D. Erwin Huber und MdB Florian Oßner. Hildegard Köck und Stefan Brenninger bedankten sich für die lange Mitwirkung im Pfarrgemeinderat und in der Kirchenverwaltung. Stellvertretend für die sechs Feuerwehren des Marktes Velden sprach Georg Ellinger anerkennende Worte. Für die Kameraden der Feuerwehren Babing und Velden war es eine selbstverständliche Verpflichtung, ihr Ehrenmitglied zu Grabe zu tragen. Ehrende Worte kamen auch von Martin Schuster für den TSV Velden, Brigitte Wutzer für den Heimatverein Velden, Professor Gerhard Wenzel für den Verein für Gartenbau- und Landespflege Velden, August Deinböck für den CSU Ortsverband Velden, Anton Zur vom Musikverein Velden, Sepp Reiser für den Fischereiverein Velden, Lambert Brenninger für die Altschützengesellschaft Velden, Josef Baumann für den Katholischen Männerverein Velden, Marion Söll für den Rennverein Velden, Gerlinde Hauer für die Krieger- und Soldatenkameradschaft Velden und Edi Poschinger für die Marianische Männerkongregation.

Die Familie Kerscher trauert um einen fürsorglichen Ehemann, Vater und Opa. Der Markt Velden hat eine prägende Persönlichkeit verloren, die viele nachhaltige Spuren hinterlassen hat.

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